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Hintergrund: "Bahn spart auf dem Rücken der Bürger"

Hintergrund : "Bahn spart auf dem Rücken der Bürger"

Die Voerder Bürgerinitiative "Betuwe - so nicht!" fordert weiterhin besseren Lärmschutz entlang der Ausbaustrecke.

VOERDE Das Planfeststellungsverfahren für den Ausbau der Betuwe-Strecke läuft. Am 18. November beginnt die Erörterung für den Abschnitt Voerde 1.4, das ist der Bereich von der Stadtgrenze Dinslaken bis Grenzstraße. Und während die Bahn in diesen Tagen mit ihrer Roadshow unterwegs ist und für den Ausbau der Strecke zwischen Emmerich - Oberhausen wirbt und über den geplanten Schallschutz informiert, hält die Voerder Bürgerinitiative "Betuwe - so nicht!" dagegen und wirft dem Unternehmen "Schönfärberei" vor.

"Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Pläne der Deutschen Bahn AG erhebliche Verschlechterungen für sehr viele Anwohner rechts und links der Gleise bringen." Heinz Markert, Vorstandsvorsitzender der Bürgerinitiative, und die beiden Mitglieder des erweiterten Vorstandes, Martin Mügge und Christian Felix Hendel, sind überzeugt, dass sich der verdoppelte Güterverkehr deutlich bemerkbar machen wird - und das über Jahrzehnte. "Die Bahn spart auf dem Rücken der Bürger", prangern sie an. Unterstützung erhalten sie von Gert Bork, Sprecher des Verbandes der Bürgerinitiativen entlang der Betuwe-Linie.

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Nach der bisherigen Planung sollen bis zu 300 Güterzüge, von denen etwa 200 nachts fahren werden, täglich auf der Strecke verkehren. Kritisiert wird, dass der vorgesehene Lärmschutz deutlich schlechter ist als beispielsweise in Baden-Württemberg und nicht dem heutigen Standard entspricht. Hierzulande gibt es für die Bahn beim Lärm noch einen Schienenbonus von fünf Dezibel, würde der gestrichen, entspräche dies einer Reduzierung des Lärms um 30 Prozent. Zudem sind in Bereichen mit geringer Wohnbebauung keine Lärmschutzmauern oder -wälle vorgesehen - ein Unding, so die Bürgerinitiative.

Ebenso kritisiert sie, dass für etliche Anwohner wegen angeblich zu hoher Kosten nur passiver Lärmschutz, also Schallschutzfenster, geplant sind. Das bringe viele Nachteile mit sich, wie eingeschränkte Terrassennutzung, keine vernünftige Raumbelüftung und hohe Folgekosten.

Sturm läuft die Voerder Bürgerinitiative gegen die hohen Lärmschutzwände, die in den Bahnhöfe entstehen sollen. Sie werden als "angsteinflößend, fahrgastunfreundlich und hässlich" bezeichnet. Diese Wände sollten zumindest durchsichtig sein, damit die Bahnsteige eingesehen werden können und nicht zu Angsträumen für die Fahrgäste werden. Die Schallschutzmauern auf der Strecke werden als eine "Berliner Mauer" angesehen, die die Stadt Voerde und die Landschaft zerschneidet. Zudem wird die 1:1-Umsetzung des von den Feuerwehren an der Ausbaustrecken vorgelegten Sicherheitskonzeptes gefordert. "An der Sicherheit darf nicht gespart werden", sagt Heinz Markert.

Der Bahn wird vorgeworfen, beim Lärmschutz auf eine Billiglösung zu setzen und dabei die berechtigen Interessen der Menschen außer Acht zu lassen. Von der Landesregierung wird erwartet, dass diese sich mehr für die Bürger an der Betuwe-Linie einsetzt.

(RP)