Dinslaken: Appell für ein friedliches Miteinander

Dinslaken : Appell für ein friedliches Miteinander

Dinslakener Appell für Demokratie, Toleranz und Mitmenschlichkeit: Im Rathaus kamen gestern über 200 Menschen zusammen, um ein Zeichen zu setzen gegen den gewaltbereiten Salafismus, gegen Hass und Gewalt.

Über dem Eingangsbereich des Rathauses prangt ein großes weißes Banner, auf dem der Text des Dinslakener Appells abgedruckt ist. Viele Menschen aus allen Teilen der Stadt strömen in das Verwaltungsgebäude am Platz d'Agen, um Flagge zu zeigen gegen den gewaltbereiten Salafismus und um für ein friedliches Miteinander der Menschen, Kulturen und Religionen einzustehen. Über 200 Männer und Frauen haben sich schließlich im Ratssaal eingefunden, um den Dinslakener Appell zu unterschreiben. Darunter befinden sich zahlreiche Vertreter der verschiedenen islamischen Kultur- und Moscheevereine, Dechant Gregor Kauling von der katholischen Kirchengemeinde Sankt Vincentius ist ebenso anwesend wie Superintendent Friedhelm Waldhausen vom evangelischen Kirchenkreis Dinslaken. Kommunalpolitiker sowie zahlreiche Vertreter von Vereinen, Verbänden und Organisationen sind erschienen.

Said Chengafe vom islamischen Arrahma-Kulturverein an der Friedrich-Ebert-Straße ist in Begleitung von Imam Hedi Brick zu dem Treffen gekommen. "Es geht um unsere Stadt Dinslaken, wir sind ein Teil von ihr", erklärt Said Chengafe, warum es für ihn und den Imam eine Selbstverständlichkeit ist, den Appell zu unterzeichnen. "Terrorismus gehört keiner Religion an", sagt Imam Hedi Brick, der Gewalt aufs Schärfste verurteilt.

"Es ist höchste Zeit, dass wir Solidarität beweisen und zeigen, dass wir als Dinslakener gegen Hass und Gewalt sind", erklärt Turhan Tuncel. Hasspredigern, die Andersgläubigen mit Gewalt begegneten, so der Vorsitzende des Integrationsrates, dürfe kein Gehör geschenkt werden.

Levent Topal, Vorsitzender des türkischen Vereins Bildung und Integration, sieht es als wichtig an, dass die Dinslakener einig sind in der Ablehnung von religiösem Fanatismus, wie er von der Gruppierung Islamischer Staat ausgeübt wird. "Das hätten wir vielleicht schon früher machen sollen", sagt Topal. "Schauen wir heute weg, trifft es uns morgen selbst. Terrorismus kennt keine Hauptfarbe, kein Geschlecht und keine Nationalität." Levent Topal will mit dem Unterzeichnen des Appells ein Zeichen setzen, damit die Menschen in Dinslaken auch weiterhin friedlich zusammenleben. "Wir Muslime stehen auf gegen Hass, Gewalt und Unrecht", sagt Özkan Yildiz vom Diyanet-Moscheeverein, der mit rund 500 Mitgliedern größte türkisch-islamischen Gemeinde in Dinslaken. "Wir sind gegen Gewalt im Namen des Islam und distanzieren uns davon", so Yildiz. Gleichzeitig betont er, dass der Islam eine friedliche Religion ist.

Erfreut ist Bürgermeister Dr. Michael Heidinger über die große Beteiligung an der Aktion. "Das ist ein starkes Signal, das wir aussenden", findet der Rathauschef. Denn die Stadt sei, anders als sie vielfach dargestellt werde, nicht das Sammelbecken junger islamistischer Männer, die sich radikalisiert hätten. Dinslaken stehe zusammen für "Toleranz, Demokratie und Mitmenschlichkeit." Dann fordert der Bürgermeister die Männer und Frauen auf, gemeinsam vor das Rathaus zu gehen, sich unterzuhaken und so Geschlossenheit gegen Hass und Gewalt zu demonstrieren.

(RP)
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