1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Anwohner der Neutor-Galerie genervt von Licht, Lärm und Gaffern

Wohnen neben dem Einkaufszentrum : Genervt von Licht, Lärm und Gaffern

Bewohner eines Hauses neben der Neutor-Galerie klagen über Probleme. Durch die Beleuchtungen des Parkhauses sei es in ihren Wohnungen nachts taghell. Die Beschallung mit Musik zerrt an den Nerven, und sie fühlen sich beobachtet.

Früher, erzählen Wohnungseigentümer und Mieter aus dem Haus in der Nachbarschaft der Neutor-Galerie, konnte man von den oberen Etagen ihres Gebäudes in die Weite sehen. Heute sehen sie das Parkhaus. Und sie hören es. Und mitunter werden sie von dort aus beobachtet.

Die Immobilie an der Hans-Böckler-Straße ist ein 18-Parteien-Haus mit Eigentums- und Mietwohnungen. Die Front blickt über einen Hof hinweg auf die schneckenförmig emporführende Einfahrt der Parkgarage, zur Rechten prägen die Parkflächen die Perspektive.

„Das Licht in dem Rondell ist ständig an, Tag und Nacht“, erzählt einer der Bewohner, Edwin Brüggert. Die Lampen dort und auf der überdachten Park-Etage leuchteten die Wohnungen aus: „Man braucht im Wohnzimmer kein Licht mehr anzumachen.“ Nachbar Andreas Schibisch pflichtet ihm bei: „Hell wie ein Flughafen ist das“, bestätigt er. „Wir können da eigentlich nur noch wohnen, wenn wir die Rollos runterlassen.“

 Bewohner auf dem Platz vor ihrem Haus. Hinten: Die Parkhaus-Zufahrt.
Bewohner auf dem Platz vor ihrem Haus. Hinten: Die Parkhaus-Zufahrt. Foto: Zehrfeld

„Wenn man nachts aufsteht, ist die ganze Wohnung hell“, bekräftigt Helga Braun. Und Ursula Kempken erzählt, dass sie sich angewöhnt hat, sich mit dem Rücken zum Fenster aufs Sofa zu setzen. „Ich hab mein Wohnzimmer etwas ,rumgedreht’.“ Abends mache sie alles dicht. „Und den Balkon benutze ich nicht. Früher habe ich das gemacht, jetzt nicht mehr.“

  • Voller Vorfreude auf den Neutor-Weihnachtsmarkt (von
    Programm für die ganze Familie : Sechs Wochen Neutor-Weihnachtsmarkt
  • Der Täter flüchtete auf einem schwarzen
    Opfer schwer verletzt : Duisburger (38) in Dinslaken mit Eisenstange verprügelt
  • Viele Bürger Ärgern sich über zu
    Kommunen warten auf Empfehlung des Städte- und Gemeindebundes : Die Abwassergebühren sind zu hoch

Was die Anwohner ebenfalls sehr stört, ist die Musik. Die wird nicht nur innerhalb des Einkaufszentrums, sondern auch im Parkhaus abgespielt, und zwar in variierender Lautstärke: Manchmal sei sie durch geschlossene Fenster in der ganzen Wohnung zu hören, erzählten die Hausbewohner. Gerade am Vorabend sei das wieder mal so gewesen ächzt Karl-Heinz Jurgeleit: „Celine Dion hat gesungen. Bis halb zehn war das. Da wirste verrückt!“ Manchmal drehe er den Fernseher so laut auf, dass er befürchte, dass die Nachbarn das dann auch noch mitkriegen.

Unüberhörbar sei die Musik aber im Freien. „Wenn man sich nach draußen setzt – ich kann weder lesen noch sonstwas, weil ständig die Musik an ist“, erzählt Katrin Emmrich. „Das fängt morgens um neun, halb zehn an und geht durch bis abends.“ Im Sommer habe sie wiederholt in der Galerie beschwert, sowohl über die Lautstärke als auch über die Uhrzeiten. Daraufhin sei es erstmal besser geworden, aber nicht auf Dauer.

Nicht zuletzt beklagen die Hausbewohner, dass ab und an Gaffer auf dem Parkhaus stünden. Einige Wohnungen sind vom obersten Deck aus nämlich bestens einzusehen. „Sie werden es nicht glauben, wir haben schon Leute gesehen, die haben ein Handy gezückt und machen Fotos“, erzählt Andreas Schibisch. „Ein älterer Mann war sogar mal mit einem Feldstecher da.“

Helga Braun nickt bestätigend. Sie schreitet in solchen Fällen zur Selbsthilfe: „Die gehen nur weg, wenn man selbst ein Handy zückt und zurückfilmt.“ Mitstreiter Bernhard Plocitza wiederum hat sich extra Rolladen besorgt: „Zum Abdunkeln und damit die Leute nicht ins Wohnzimmer schauen.“

Die Mitglieder der Hausgemeinschaft schlagen vor, der Auffahrt und der überdachten Etage des Parkhauses eine Verkleidung zu verpassen. Das würde das Licht drinnen halten. Was die Musik-Beschallung betrifft: Zumindest nach 20 Uhr sollte damit Schluss sein, noch besser aber komplett, finden sie. Warum müsse in einem Parkhaus überhaupt Musik spielen? „Das muss doch möglich sein, dass man das ausschaltet“, sagt Karin Emmrich.

Wie man die Angelegenheit bei der Galerie sieht, ist zunächst unklar. Das Management hat sich auf RP-Anfrage bislang nicht zur Sache geäußert. Für die Nachbarn ist das enttäuschend. Sie hoffen aber dennoch, dass sie mit ihren Problemen bei den Verantwortlichen Gehör finden. Immerhin hätten sie mehrfach selbst das Gespräch gesucht, sagen sie. Und sie wollten keinen Streit, sondern ganz im Gegenteil eine bessere Nachbarschaft.

„Wir wissen, dass wir hier nicht im Wald leben“, betont Andreas Schibisch. „Der normale Stadt-Lärm, der gehört dazu.“ Aber nicht Dauerbeleuchtung, Musikbeschallung und die Gefahr, beobachtet zu werden, finden seine Mitstreiter und er.