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Amok-Verdacht an Schule in Dinslaken: Zwei Schulverweise nach SEK-Einsatz

SEK-Einsatz an Schule : Zwei Schulverweise nach Amok-Verdacht in Dinslaken

Die Ernst-Barlach-Gesamtschule in Dinslaken hat sich intensiv mit den Vorkommnissen vom 25. Mai befasst, als ein Schüler mit einer Pistole herumhantiert und so einen großen Polizeieinsatz ausgelöst hatte. Es wurden einige Konsequenzen gezogen.

Ein Schüler aus der Jahrgangsstufe 9 der Ernst-Barlach-Gesamtschule (EBGS) hatte an jenem 25. Mai eine Schreckschusswaffe mit in die Schule gebracht und sie im Fahrradkeller einigen Mitschülern gezeigt. Das hatte weitreichende Folgen: Ein aufmerksamer Fahrradwächter hielt die Waffe für eine echte, informierte die Schulleitung, die ihrerseits die Polizei alarmierte. Es kam zu einem Großeinsatz der Polizei, an dem auch ein Sondereinsatzkommando (SEK) beteiligt war. Inzwischen hat die Schule den Vorfall auf- und nachbereitet sowie einige Konsequenzen gezogen. „Die beiden Hauptverantwortlichen wurden der Schule verwiesen, sie sollen ihre Schullaufbahn an einer anderen Schule fortsetzen“, sagt EBGS-Leiter Hans-Ulrich Wangerin. Einem weiteren beteiligten Schüler wurde die Entlassung angedroht.

In einer gemeinsamen Stellungnahme der EBGS-Schulleitung, des Lehrerrats, der Schulpflegschaft sowie der Schülervertretung heißt es, wer den Prinzipien des gewaltfreien Miteinanders und des friedlichen Zusammenlebens zuwider handelt, „hat keinen Platz an unserer Schule“. Nach Aufarbeitung der Vorkommnisse steht fest: „Es gab keinen Amoktäter“, so Wangerin. Der Jugendliche wollte sich mit der Waffe wichtig tun und habe mit dem Verweis für sein Imponiergehabe einen hohen Preis zahlen müssen, weil er den Schulfrieden gestört habe. Die Schulordnungsmaßnahmen für die drei Schüler bewertet Wangerin „pädagogisch betrachtet als alternativlos zum Wohle aller Schüler“. Und das sieht auch Richard Pennings von der Schulpflegschaft so.

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Der Polizeieinsatz am 25. Mai führte dazu, dass über 900 Schülerinnen und Schüler sowie deren Lehrkräfte, die sich zu dem Zeitpunkt in dem Schulgebäude befanden, dieses für mehrere Stunden nicht verlassen durften. Zudem verhängte die Polizei damals eine Informationssperre, die viel Kritik bei betroffenen Eltern auslöste, die sich um ihre Kinder sorgten und stundenlang vor der Schule ausharrten.

Der Aufarbeitungsprozess der Vorkommnisse fand direkt nach der schulischen Krisensituation statt: in den Klassen, in der Stufenversammlung, mit Unterstützung des schulpsychologischen Dienstes und des Schulsozialdienstes, wie Wangerin berichtet. Betroffene haben auch im Nachhinein noch ein Recht auf therapeutische Behandlung. Diesbezüglich wurden bereits einige Anträge gestellt, es seien bislang unter zehn, so Wangerin. Das Gespräch mit Experten und der Austausch der Schüler untereinander über die Vorkommnisse ist nach Einschätzung von Schülersprecher Mehmet-Akif Büyük wichtig gewesen und „hat echt geholfen“. Hans-Ulrich Wangerin sieht die Schule nun auf dem Rückweg in die Normalität, die nach seiner Einschätzung wohl erst nach den Sommerferien erreicht wird, wenn Abstand gewonnen worden ist.

Fest steht für die Schulgemeinde nach der bisherigen Aufarbeitung des Vorfalls: „Die EBGS ist eine sichere Schule.“ Dennoch gibt sich der Schulleiter keinen Illusionen hin und weiß, dass das Image seiner Gesamtschule gelitten und Schaden genommen hat. Und das bedauert er.

Als weitere Konsequenz aus den Vorkommnissen erneuert die Ernst-Barlach-Gesamtschule eine Forderung, die sie nach Aussage von Hans-Ulrich Wansing bereits vor rund zehn Jahren gestellt hat. Sie plädiert dafür, dass die Türklinken der Unterrichtsräume flurseits endlich gegen Türknaufe ausgetauscht werden. So könne das einfache Öffnen der Türen vom Flur aus verhindert werden. „Damit Klassenräume zu Schutzräumen werden, dürfen sie für Täter nicht offen und frei zugänlich sein“, sagt Wangerin.

Zudem wird die Installation einer Notrufanlage in der Schule gefordert. Durch sie soll es möglich sein, im Ernstfall schnell einen Notruf abzusetzen, über den auch alle Schüler (möglicherweise durch Vernetzung über das Handy) informiert werden. Entsprechende Anträge will die Schule an die Stadt Dinslaken als Schulträger richten, damit diese beiden Schwachstellen kurzfristig beseitigt werden können. Sicher ist sich Schulleiter Hans-Ulrich Wangerin, dass auch an andern Dinslakener Schulen eine Diskussion über die dortige Sicherheit angestoßen worden ist. Die Kommune müsse im Interesse aller in einen höheren Sicherheitsstandard investieren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei durchsucht Schule in Dinslaken