Am Rheinufer zeigt sich das Drama

Unsere Woche : Am Rheinufer zeigt sich das Drama

Der Rhein hat Müll dabei. Nach jedem Hochwasser liegen sie herum, die Plastikflaschen und Becher und Tüten, die zerbeulten, zerknickten und zerfetzten Relikte unserer von Plastik durchsetzten Welt. In dieser Woche hat ein Dinslakener die Stadt Voerde in Gang gesetzt, weil er die Situation auf einem Ufer-Abschnitt nicht mehr mit ansehen kann.

Natürlich hat er damit Recht. Und natürlich sieht es anderswo entlang des Flusses auch nicht besser aus, wie rasch gemeldet wurde.

Der Unrat, den der Rhein bei uns anschwemmt, steht für größere Dimensionen. Er bildet die Spitze des Eisbergs, sozusagen nur die Krone der schmutzigen Gischt. Eine Arbeit von Wissenschaftlern der Universität Basel lieferte 2015 die Schätzung, dass der Rhein allein in seinem Oberflächenwasser täglich mehr als 191 Millionen Mikro-Plastikteilchen zur Nordsee schwemme. Noch mehr davon führe er in tieferen Schichten mit. Eine Untersuchung von Forschern aus fünf Bundesländern in 2018 wiederum lenkt den Blick auf die kleineren Zuflüsse, die laut ihren Proben stärker belastet waren als der große Strom. Besonders hoch ist die Verschmutzung mit Mikroplastik im Rhein zum Beispiel im Bereich der Emschermündung – also bei uns vor der Tür. Ein großer Teil der kleinen Teilchen stammt vom ärgerlichen Treibgut. Von Wellen, Wind und Wetter wird es nach und nach zermalmt und zerrieben. Anderes ist von Anfang an unsichtbar, etwa Kunststoffe aus Kosmetik- und Pflegeprodukten.

Plastik in der Umwelt ist eine globale Gefahr. Und an der Emschermündung, am Rheinufer in Voerde und Dinslaken, werden die großen Zusammenhänge im Kleinen greifbar. Wir stellen uns gerne vor, dass die Vermüllung der Meere mit der mangelhaften Entsorgung in Entwicklungsländern zu tun hat. Aber der Rhein fließt vor unserer Nase entlang, und der Abfall, den er mitnimmt, ist unser eigener. Unsere Welt sondert Plastik ab. Das verunreinigte Rheinufer ist nicht das ganze Problem. Es macht es vielmehr sichtbar.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihre Meinung? Schreiben Sie an
sina.zehrfeld@rheinische-post.de