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Dinslaken: Als OHG-Schüler Helmut Kohl besuchten

Dinslaken : Als OHG-Schüler Helmut Kohl besuchten

Kunstlehrerin Helga Gappa war 1989 mit einer 5. Klasse des Gymnasiums beim Kinderfest des Bundeskanzlers.

Seit am vergangenen Freitag Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl im Alter von 87 Jahren starb, kommen bei Helga Gappa viele Erinnerungen hoch. Die Dinslakenerin ist nicht nur genauso alt, sie hat Kohl auch kennengelernt - 1989 in der Villa Hammerschmidt war das. Zum 40-jährigen Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland veranstaltete Kohl in Bonn, damals noch Hauptstadt, ein großes Kinderfest im Kanzleramt. Und dazu waren auch drei Schulklassen aus dem Kreis Wesel eingeladen, darunter die 5d des Otto-Hahn-Gymnasiums. Mit dem Bus ging es für 32 Mädchen und Jungen am 21. Juni 1989 gemeinsam mit Klassenlehrer Peter Fischer und Helga Gappa nach Bonn.

Gappa unterrichtete die Schüler in Kunst und Textil und fertigte mit ihnen ein aufwendiges Geschenk für den damaligen Kanzler an. "Die Kinder hatten tolle Ideen: Aufgrund der anstehenden Bundestagswahlen inszenierten wir Kohl vor einer Deutschland-Fahne als Kapitän am Steuerrad des Schiffs ,Bundesrepublik'", erinnert sich die Dinslakenerin beim Blättern in den alten Fotoalben. Insgesamt rund sechs Wochen arbeiteten die Schüler an dem Kunstwerk, das mit der Hand und mit der Maschine genäht wurde.

Sie seien sehr aufgeregt gewesen, den Regierungschef zu treffen. "Er war dann aber begeistert von dem Geschenk", sagt Gappa. Und seine damalige Ehefrau Hannelore habe sich ebenfalls sehr gefreut. "Sie sagte, dass sie bereits einen Platz für das Geschenk wüsste." Insgesamt 2500 Kinder konnten sich damals den ganzen Tag über im Park des Bundeskanzleramts vergnügen. "Es gab zahlreiche Spielmöglichkeiten und Stände und die Bewirtung war toll", erinnert sich Gappa.

Auch zahlreiche andere prominente Persönlichkeiten waren vor Ort. "Fritz Walter war da, ebenso Finanzminister Theo Waigel und Umweltminister Klaus Töpfer", erzählt die Rentnerin. Mit einigen sei man ins Gespräch gekommen. Helmut Kohl hat sie jedoch am meisten beeindruckt. "Ein sehr aufgeschlossener Mann", sagt Gappa. Die Nachricht seines Todes stimmt die 87-Jährige traurig. "Das hat mich schon bewegt in den letzten Tagen", erzählt die pensionierte Lehrerin. "Er hat einen jahrzehntelang in der Zeitung und im Fernsehen begleitet, viel getan für unser Land und ist eine Persönlichkeit, die so schnell nicht wiederkommt", so Gappa. Auch Hannelore Kohl ist ihr als "ausgesprochen nett" im Gedächtnis geblieben.

Wenige Monate nachdem das Kinderfest stattgefunden hatte, fiel die Berliner Mauer und Deutschland war wieder vereint. "Zum Kinderfest kam danach keine Einladung mehr ans OHG, aber ich habe gute Erinnerung an den Tag in Bonn", erzählt Gappa, die seit 1995 im Ruhestand ist. Dass Kohl einen europäischen Staatsakt bekommt, findet sie gerechtfertigt. Er sei schließlich der Kanzler der Einheit.

(ahe)