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Dinslaken: Als Fachfrau ganz für junge Familien da

Dinslaken : Als Fachfrau ganz für junge Familien da

Kathrin Wehner (34) ist seit eineinhalb Jahren Familienhebamme bei der Stadt Dinslaken. Sie hilft nicht nur bei den Geburtsvorbereitungen, sondern auch bei Ämtergängen oder in Sorgerechtsfragen.

In dieser Woche soll es soweit sein. Wenn alles wie geplant läuft, dann wird Janine S. einen Jungen zur Welt bringen. Zu den letzten Vorbereitungen vor der Geburt gehört es für die junge Frau, einen Kinderwagen zusammenzubauen. Alleine muss die Hochschwangere das aber nicht tun, denn seit Juni erhält Janine S. tatkräftige Unterstützung von Kathrin Wehner. Sie ist Familienhebamme in Diensten der Stadt Dinslaken und für die baldige Mutter eine große Hilfe.

Die 34 Jahre alte Voerderin ist seit 2004 Hebamme, machte dann eine einjährige Zusatzausbildung und ist seit 2012 Familienhebamme. Neben ihrer Tätigkeit als Freiberuflerin ist Kathrin Wehner seit anderthalb Jahren für die Stadt im Einsatz - zunächst auf Honorarbasis, auf Grund der steigenden Nachfrage mittlerweile mit einer halben Stelle und 19,5 Stunden in der Woche eingestellt.

"Die sind aber ganz schnell voll", berichtet die 34-Jährige, die nicht nur Janine S. betreut, sondern sich auch um insgesamt 13 schwangere Frauen, alleinerziehende Mütter oder Familien kümmert. "Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man sich immer an sie wenden kann", sagt Janine S., die im Juni aus Duisburg nach Dinslaken kam und sich dann an Annette Berger vom Fachdienst Soziale Dienste wendete. Sie vermittelte den Kontakt zu Kathrin Wehner und seitdem sind die beiden bei den Geburtsvorbereitungen zu einem echten Team geworden.

"Sie hat auch viele Dinge selbst gemacht, aber ich habe ihr bei der Wohnungssuche geholfen oder sie bei Ämtergängen begleitet", erzählt die Fachfrau: "Was brauche ich? Welche Bedürfnisse hat ein Kind? Wie kann ich eine Bindung zu dem Kind aufbauen? Das sind auch noch alles Fragen, die die Frauen und Familien haben. Es sind ganz junge Mütter mit 16 Jahren darunter, aber auch ganz intakte Familien dabei."

Wie oft die Familienhebamme zur Unterstützung vorbeischaut, ist unterschiedlich. "Es kann drei- bis viermal in der Woche oder auch nur einmal sein. Es kommt immer darauf an, was gerade anliegt", meint Kathrin Wehner, die aus Mitteln des Bundes bezahlt wird, die den Kommunen noch bis Dezember 2015 mit Blick auf das Bundeskinderschutzgesetz zur Verfügung stehen. "Am Anfang hatten wir drei Anfragen, jetzt sind 13 schon fast zu viel. Der Bedarf entwickelte sich in den anderthalb Jahren weiter, was ein Zeichen ist, dass das Angebot gut angenommen wird", weiß Annette Berger, die nicht ausschließen möchte, dass die Kapazitäten irgendwann erweitert werden: " Wir mussten noch keine Anfrage ablehnen, aber wenn es noch mehr werden, würde ich es an die Verwaltung und die Politik weitergeben und mich sehr dafür einsetzen, dass das Angebot ausgeweitet wird."

Janine S. ist heilfroh, dass sie die Familienhebamme in den letzten Tagen vor der Geburt ihres Sohnes nicht nur beim Aufbau des Kinderwagens an ihrer Seite hat. Bis zu einem Jahr nach der Geburt kann die Schwangere auf Kathrin Wehner zählen, dann sollte die Zusammenarbeit enden. "In den meisten Fällen brauchen mich die Frauen und Familien nach fünf bis sechs Monaten nicht mehr. Wenn sich alles eingespielt hat und man aus dem Gröbsten raus ist, schaue ich vielleicht nur noch sporadisch oder gar nicht mehr vorbei", berichtet die 34-Jährige. Dass jemand vorzeitig den Kontakt abbrach, ist noch nicht vorgekommen. "Das hätte aber auch keine Konsequenzen. Alles passiert freiwillig, und das Jugendamt kontrolliert nicht, sondern möchte die Frauen und Familien nur unterstützend begleiten", sagt Annette Berger.

(RP)