1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Dinslaken: Alfred Grimm schafft ein Mahnmal im Kleinformat

Dinslaken : Alfred Grimm schafft ein Mahnmal im Kleinformat

Seit dem 4. November 1993 steht Alfred Grimms Großplastik im Dinslakener Stadtpark, eine Mahnung in Bronze, die an den 10. November 1938 erinnert, als das jüdische Waisenhaus brannte.

46 Menschen, darunter 32 Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren, wurden damals ins Freie gejagt. Die Kleineren pferchten Hitlers Schergen auf einen Leiterwagen. Vier größere Jungen mussten den Karren durch das damalige Stadtzentrum ziehen. Menschen wurden wie Vieh abtransportiert. Und die Bevölkerung sah tatenlos zu. Alfred Grimms Arbeit weist Spuren in Dinslakens Vergangenheit und macht den Betrachter zu Mittätern. Es ist ein beeindruckendes Stück Erinnerungskultur mit beeindruckenden Maßen: 7 mal 5,50 mal 2,05 Meter.

Gut 20 Jahre nach der Einweihung hat der Künstler aus Hünxe-Bruckhausen nun die Idee, die Bronze als Kleinplastik zu arbeiten. Auf einer 45 mal 50 Zentimeter großen Trägerplatte will Alfred Grimm das vierteilige Ensemble — bestehend aus Leiterwagen, Infoplatte, Absperrgitter und einer "Bewacher"-Figur — installieren. Die Arbeiten an dem Modell hat Grimm vor mehreren Monaten begonnen; er hat unzählige Fotos geschossen, Zeichnungen angefertigt und sehr viel gerechnet. Jetzt ist das Modell fertig — "nicht maßstabsgetreu, aber in der Struktur erstaunlich stimmig", erklärt der Künstler.

Den Bronzeguss will Grimm erneut in der Gießerei Butzon und Bercker in Kevelaer fertigen lassen, mit der er seit vielen Jahren gut zusammenarbeitet. Bis es soweit ist, gibt es allerdings noch eine Reihe von Problemen zu lösen. Eines davon sind die Container auf dem Leiterwagen, die im Original unter anderem Schuhe enthalten. Puppenschuhe scheiden für einen Abguss aus. Sie sind zu groß. Grimm denkt nun darüber nach, die Miniaturen aus Wachs mit der Hand zu modellieren.

Ein weiteres Problem sind die Schrifttafeln. Auf der Mauer, die der Leiterwagen durchbricht, stehen auf der Vorder- und Rückseite in hebräischer und deutscher Schrift zwei Bibeltexte und die Namen der Dinslakener Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Ein zweite, kleinere Tafel befindet sich hinter dem Absperrgitter. "Die Schrift sollte lesbar bleiben", sagt Grimm. Die Möglichkeiten dazu sind begrenzt: gravieren oder ätzen. Mitte Juni weiß der Künstler mehr. Dann sollen die Abgüsse, geplant sind fünf, fertig sein. Einen Abnehmer hat Alfred Grimm noch nicht gefunden. "Vielleicht ein Museum oder die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen, ein privater Sammler — ich weiß es nicht", sagt Alfred Grimm. Den Verkaufspreis kennt er: 2450 Euro pro Abguss.

(RP)