Hünxe: Abschied von der Pommesbude

Hünxe : Abschied von der Pommesbude

Gabriela Pacowski schließt in Drevenack - und feiert mit ihren Kunden eine Party.

"Wie immer?" - Stammkunden müssen in der Pommesbude von Gabriela Pacowski nicht viele Worte verlieren. Man kennt sich, zum Teil schon seit mehr als 25 Jahren. Aus Knirpsen sind in dieser Zeit Kerle geworden, von Gabriela wollen sie immer noch das gleiche: "Einmal Currywurst Pommes Majo bitte." Der Klassiker eben, viele schwören auf die Soße nach Art des Hauses.

Jetzt heißt es Abschied nehmen von der 57-Jährigen, ihren Fritten und Frikadellen: Sie macht den Laden dicht. Nicht ganz freiwillig: Das Haus wird saniert, einen Nachfolger gibt es wohl nicht.

"Ich habe hier so um 1988 angefangen, ganz genau weiß ich das nicht mehr", sagt Gabriela Pacowski ein wenig wehmütig. Sie arbeitete seinerzeit als Angestellte im Imbiss am Markt. Als die Inhaber dann aufhörten, boten sie ihrer Mitarbeiterin das Geschäft an. "Das war 1991 und Pommesbuden waren sehr begehrt, es gab viele Interessenten."

Gabriela Pacowski griff zu. Es wurden anstrengende Jahre. Und schöne. "Ich hatte wenig Urlaub", sagt die Lackhausenerin, ohne sich zu beklagen. Zuletzt war sie vor drei Jahren ein paar Tage in Italien. "Ich habe sehr nette Kunden, sie kommen immer wieder." Fast sei das wie Familie, sagt sie. Und es ist eine große Familie: Aus Hünxe und Damm kommen sie, Gartrop und der ganzen Umgebung. Auf Facebook hat sogar ein ehemaliger Drevenacker aus Shanghai sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass die Pommesbude schließt, die wahlweise liebevoll "Gabis Frittenscheune" genannt wird.

Gabriela Pacowski, überall Gabi genannt, schätzt die Menschen, für die sie all die Jahre Essen zubereitet hat. "Ich möchte mich bei ihnen bedanken", sagt sie. Wenn sie Anfang September die Tür ein letztes Mal schließt, gibt es noch ein Wiedersehen. Gabriela Pacowski hat nämlich beschlossen, sich auf eine ungewöhnliche Art für die Treue zu bedanken. Ihre Kunden sind am 30.$ September ab 17 Uhr in die Gaststätte Alt Peddenberg zur Abschiedsparty eingeladen, Speisen und Getränke inklusive. Für Livemusik sorgt die Band Highway to Heaven.

Wie viele Menschen sie da erwartet? "Ach, das können schon ein paar hundert werden", meint sie. Ist das nicht eine Einladung für Schnorrer, die "Gabi's Imbiss am Markt" noch nie von innen gesehen haben? Auf Facebook diskutiert das die Fritten-Fangemeinde, doch die Gastgeberin bleibt gelassen. "Meine Kunden kennen sich", sagt sie, "es würde sehr schnell auffallen, wenn jemand sich da einschleichen möchte." Und die Kosten? "Nach so langer Zeit muss das einfach sein", sagt sie und zuckt mit den Schultern. Ehemann Joseph freut sich, seine Frau künftig häufiger zu sehen. Trotzdem: Gabi wird sich eine neue Arbeit suchen - nach der großen Party.

(sz)
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