4460 Anfragen bei der Verbraucherberatung Dinslaken in 2018

Häufig Rechtsberatung : Kunden-Abzocke und Handy-Ärger

Dreiste Abzocke auf Online-Marktplätzen, Ärger mit Handy-Verträgen, Inkassounternehmen, die plötzlich Geldforderungen anmelden. Dies sind nur drei Themen, mit denen sich Bürger an die Verbraucherzentrale wandten.

„Die Bürger wenden sich zunehmend mit anspruchsvollen und komplexen Anfragen an die Verbraucherzentrale“, berichtete Ulrike Grabowski, Leiterin der Dinslakener Beratungsstelle, über das Aufgabenspektrum. Im vergangenen Jahr war die Beratungsstelle an der Duisburger Straße in der Dinslakener Altstadt bei fast 4500 Verbraucheranliegen die Kontakt- und Anlaufstelle bei Fragen und Problemen. Zudem fanden 454 Rechtsberatungen und Rechtsvertretungen von Verbrauchern statt, wie Ulrike Grabowski und ihre Kollegin Karin Bordin bei der Vorlage des Jahresberichtes 2018 der Beratungsstelle berichteten. Die früher öfter vorgetragene Frage: „Wann kann ich was umtauschen?“, werde gegenwärtig so gut wie gar nicht mehr gestellt.

2018 gab es exakt 4460 Anfragen von Ratsuchenden bei der Verbraucherzentrale in Dinslaken. Die Zahl der Kontake bei Veranstaltungen lag bei 471. Zudem wurden 2811 Internetzugriffe auf die Seiten der Beratungsstelle gezählt.

Ulrike Grabowski (links) und Karin Bordin von der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Foto: Heinz Schild

Von den annähernd 4500 Anfragen bezog sich ein Viertel auf den Bereich der Dienstleistungen. 20 Prozent entfielen auf den Telefonsektor einschließlich Handy und Internet. In 16 Prozent der Fälle ging es um die Finanzen, 14 Prozent der Anfragen bezogen sich auf Konsumgüter, acht Prozent hatten den Energiebereich zum Thema, wie der Jahresbericht 2018 ausweist.

Ein Dauerthema in der Beratungsnachfrage waren ungewollte Wechsel des Energieversorgers und Vertragsumstellungen. Diese wurden oftmals nach einem Telefonat oder einem Kontakt an der Haustür vorgenommen. So seien Bürger ungewollt angerufen und zum Thema Energie befragt worden. Die Anrufer hätten sich als Vertreter eines Energieversorgers, als Energieberater oder Vermittler vorgestellt. Die Anrufer hätten persönliche Daten erfragt, um beispielsweise einen Wechsel des Stromanbieters in die Wege leiten zu können. Wochen später hätten die Angerufenen dann eine Auftragsbestätigung für einen neuen Vertrag erhalten. So überrumpelte Verbraucher wandten sich rat- und hilfesuchend an die Dinslakener Beratungssstelle.

„Ein Hauptthema sind nach wie vor die Telekommunikationsverträge“, berichtete Ulrike Grabowski. So habe es beispielsweise in einem Telefonshop in Dinslaken einen Mitarbeiter gegeben, der Kunden mit enorm hohen Rabatten, die dann doch nicht gewährt worden seien, Vertragsabschlüsse schmackhaft gemacht habe. Nach Vorkommnissen dieser Art wurde von der Verbraucherzentrale die rechtliche Forderung aufgestellt: „Auch im Shop muss es eine Widerrufsrecht geben.“

Bei den Rechtsberatungen und -vertretungen standen Probleme mit Telekommunkationsanbietern ganz oben auf der Liste. Rechnungsposten, die von den Kunden nicht nachvollzogen werden konnten, Probleme beim Anbieterwechsel oder lahmes Internet, das eigentlich mit Hochgeschwindigkeit laufen sollte, waren Anlässe für Kundebeschwerden, denen sich die Beratungsstelle annahm. Die Verbraucherzentrale, so Ulrike Grabowski, habe kompetente Unterstützung bei der Durchsetzung der Kundenrechte geboten.

Für so manchen Kunden endete der Online-Einkauf im Internet mit einer bösen Überraschung und wurde zu einem teuren Vergnügen. Verbraucher beschwerten sich Beispielsweise über Zollgebühren, Steuern und Versandkosten, die überraschend in Rechnung gestellt worden seien, und mussten sich auch noch über teilweise monatelange Wartezeiten und die minderwertige Qualität der georderten Produkte ärgern.

Auch mit Abzockmethoden aus der Inkassobranche musste die Dinslakener Beratungsstelle sich im vergangenen Jahr befassen. Kunden, die Rechnungen nicht zügig beglichen hätten, erhielten Post vom Inkassobüro – mit oftmals unberechtigten Gebühren und Drohungen. „Wird dann unbedacht eine Ratenzahlungsvereinbarung unterschrieben, kommt die Kostenspirale oft erst richtig in Gang“, sagte Karin Bordin. Denn diese Vereinbarung müssten säumige Zahler meist teuer erkaufen. Hohe Einigungsgebühren seien zumeist der Preis, um eine Übereinkunft überhaupt abschließen zu können. Zudem müsste eine Reihe von verklausulierten Erklärungen in den Vordrucken akzeptiert werden, deren nachteilige Folgen der Verbraucher kaum überschauen könne. Manche wüssten zudem nicht, ob die Hauptforderung überhaupt berechtigt sei. Die Verbraucherzentrale fordert hier eine gesetzliche Regelung, dass für Ratenzahlungsvereinbarungen keine zusätzlichen Kosten berechnet werden dürfen, wie Verbraucherberaterin Karin Bordin sagte.

Und auch mit den Folgen des Dieselskandals und der Musterfeststellungsklage gegen die VW AG war und ist die Verbraucherzentrale befasst. Sie informierte die Bürger zudem über viele weitere Themen, wie beispielsweise die Datenschutzgrundverordnung und Änderungen im Reiserecht. Gut angenommen wurden im vergangenen Jahr die Sonderberatungen, die die Verbraucherzentrale in Dinslaken anbietet: Versicherungsberatung; Altersvorsorge, Geldanlage, Immobilien; Rechts- und Energieberatung.

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