Sommerfest im Goethe-Museum

Sommerfest im Goethe-Museum

Es ist eine laue Sommernacht, die sich der Protagonist des Romans von F. C. Delius aussucht, um einem Journalisten sein Leben zu erzählen. Der Sprechende in "Die Frau, für die ich den Computer erfand", ist Konrad Zuse (1910-1995), Erfinder des ersten programmgesteuerten Digitalrechners der Welt. Zu Beginn dieses fiktiven Interviews lässt Delius seine Romanfigur sagen: "Nach dem heißen Tag serviert man uns eine laue Sommernacht, falls die Vorhersage stimmt. Mal sehn, ob wir Glück haben mit dem Mond und den Wolken, es sieht ja ganz gut aus."

Auch beim Sommerfest, das seit 1993 jedes Jahr an Goethes Geburtstag auf Schloss Jägerhof gefeiert wird, saß man den ganzen Abend unter freiem Himmel, lauschte einem Sprecher und beobachtete nebenbei, wie die Sonne unterging. Zentraler Programmpunkt des Festes mit Ausstellungseröffnung, Vorträgen und Musik war eine Lesung des Büchnerpreisträgers Delius aus dem genannten Roman, in dem der Ich-Erzähler seinen Erfindergeist vom faustischen Streben abgrenzt: "Und jetzt wollen Sie sicher wissen, ob Mephisto persönlich bei mir angeklopft hat und ob wir einen hübschen Teufelspakt geschlossen haben wie es sich gehört bei deutschen Erfindern." Geschickt lenkt der gewitzte Erzähler die Reaktionen seines Publikums: "Wenn ich Leute zum Lachen bringen will, sage ich: Zum Rechnen war ich zu faul. Aber es stimmt: Der Mann, der nicht rechnen wollte, erfindet die universale Rechenmaschine." Am Ende des Romans steht der Mond groß am Himmel, so auch beim letzten Song der Band. Es ist Gershwins "Summertime".

BARBARA STEINGIESSER

(RP)
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