Köln: Siebenjähriger von Müllwagen überrollt

Köln : Siebenjähriger von Müllwagen überrollt

In Köln wurde ein Kind auf dem Schulweg von einem abbiegenden Mülltransporter überfahren. Es starb noch an der Unfallstelle. Der Vater musste alles mit ansehen. Sechs Polizisten waren nach dem Einsatz dienstunfähig.

Es ist 7.50 Uhr, als sich am Montag ein tragischer Unfall in Köln-Widdersdorf ereignet: Ein Siebenjähriger wird auf dem Fahrrad von einem Müllwagen erfasst und vom Hinterrad überrollt. Das Kind wird dabei so schwer verletzt, dass es noch an der Unfallstelle stirbt. "Ein per Rettungshubschrauber eingeflogener Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen", sagt ein Polizeisprecher.

Der Vater des Siebenjährigen musste alles mit ansehen. Er begleitete seinen Sohn auf dem Weg zur Schule - ebenfalls auf dem Fahrrad. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei fuhr er ein Stück vor seinem Sohn. Nach Angaben der Ermittler querte der Mann dann eine Einmündung zu einem verkehrsberuhigten Anwohnerbereich. "Als der Junge seinem Vater folgte, wurde er von einem nach rechts abbiegenden Mülltransporter erfasst", sagt der Polizeisprecher. Der Junge soll auf dem Bürgersteig gefahren sein.

Der Vater, weitere Angehörige, Unfallbeteiligte und Augenzeugen wurden sofort von Notfallseelsorgern, psychologisch geschulten Betreuern der Feuerwehr Köln und Opferschützern der Polizei Köln betreut. Mindestens sechs Polizisten, die den Unfall aufnahmen, mussten anschließend vorübergehend aus dem Dienst genommen werden. Die Bilder am Unglücksort hätten sie sehr belastet, so der Polizeisprecher. Kölns parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker reagierte geschockt: "Die Nachricht über den Tod eines kleinen Kindes, das durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, hat mich tief bestürzt und traurig gemacht", erklärte sie. Ihre Gedanken seien in diesen dunklen Stunden bei den Eltern und den Angehörigen. "Für den schmerzhaften Verlust eines Kindes gibt es keinen Trost. Der Familie wünsche ich von Herzen viel Kraft, und ich spreche ihr im Namen aller Kölner mein herzliches Beileid aus."

Der Mülltransporter gehört den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB). Deren Geschäftsführer Peter Mooren erklärte: "Wir unterstützen die Polizei selbstverständlich bei den Ermittlungen, denn auch wir möchten genau wissen, wie es zu diesem Unfall kam."

Den genauen Unfallhergang versuchen jetzt Experten des Verkehrskommissariats 2 der Kölner Polizei zu rekonstruieren. Fest steht bislang: Der Fahrer übersah den Jungen beim Abbiegen. Möglicherweise befand sich das Kind im sogenannten toten Winkel. Das Unglücksfahrzeug soll nach Angaben der AWB nicht mit Rückfahrkameras und speziellen Seitenspiegeln ausgestattet gewesen sein. Darüber verfügten nur die neueren Modelle der AWB-Fahrzeugflotte.

Ob entsprechende Spiegel den Unfall verhindert hätten, ist allerdings ungewiss. Sie könnten zwar den toten Winkel verkleinern, ihn aber nicht verhindern, heißt es beim Tüv Rheinland. Regelmäßig kommt es - wie jetzt in Köln - beim Rechtsabbiegen von Lkw zu tödlichen Unfällen.

Nach Angaben des Fahrradfahrerverbandes ADFC kamen im vergangenen Jahr 38 Radfahrer durch rechtsabbiegende Lkw ums Leben. In diesem Jahr waren es mit dem Jungen in Köln mindestens schon zwölf. Mehrere Bundesländer fordern seit Längerem, dass in Lkw ab 7,5 Tonnen gesetzlich verpflichtende Warnsysteme eingebaut werden müssen. Allerdings gibt es noch kein System, das auch automatisch und vor allem rechtzeitig bremst.

(csh)
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