Schuss ins Bein durch Fehlverhalten

Schuss ins Bein durch Fehlverhalten

Der Bundespolizist, der sich am Wochenende am Flughafen mit seiner Dienstwaffe selbst verletzt hat, ist nach einer Operation auf dem Weg der Besserung. Seine Behörde prüft jetzt dienstrechtliche Maßnahmen gegen den 34-Jährigen.

Ermittler der Bundespolizei sind am Düsseldorfer Flughafen derzeit in eigener Sache unterwegs. Zu klären sind gleich zwei Fälle von "unbeabsichtigter Schussabgabe", wie es in den Akten heißt.

Abschließende Ergebnisse lägen noch nicht vor, sagte gestern Jennifer Langenau, Sprecherin der Inspektion, die mit rund 800 Bediensteten eine der größten der Bundespolizei ist. Nach ersten Erkenntnissen sei ein "Handhabungsfehler" der Grund dafür gewesen, dass ein 34 Jahre alter Polizist sich im Dienst am Flugsteig A selbst ins Bein geschossen hat. Der Beamte war in einem Kontrollhäuschen, als sich gegen 14 Uhr der Schuss aus seiner Dienstpistole gelöst hatte.

Vier Übungseinheiten pro Jahr

Im Streifendienst am Flughafen und Hauptbahnhof sind Bundespolizisten seit den Terrorwarnungen des vergangenen Jahres nicht nur mit den üblichen Dienstpistolen, sondern auch mit Maschinenpistolen unterwegs. Beim Entladen einer solchen Heckler&Koch MP 5 hatte ein anderer Bundespolizist am Montag voriger Woche ebenfalls unbeabsichtigt einen Schuss abgegeben. Das Geschoss hatte sich in eine Wand gebohrt, verletzt worden war niemand.

Das könne schon einmal passieren, meint Hans-Joachim Zastrow, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft für die Bundespolizei. Deshalb sollten die Waffen auch über einer eigens dafür bereitstehenden Sandkiste entladen werden. Die MP-Panne von Düsseldorf ist nicht die einzige: Im Dezember traf ein Bundespolizist im gut besuchten Sicherheitsbereich des Flughafens die gläserne Kontrollbox seiner Dienststelle, als sich versehentlich ein Schuss löste. Von einer Häufung könne aber keine Rede sein, so Zastrow, der auch Mutmaßungen zurückwies, dass die Beamten zu wenig Übung im Umgang mit der Maschinenpistole haben, die sie seit den Terrorwarnungen vom November mitführen müssen. "Unsere Polizisten sind sehr gut ausgebildet und müssen jährlich viermal zu Auffrischungs-Übungen." Dabei werde auch die Handhabung aller bei der Bundespolizei üblichen Waffen trainiert.

Neben der MP 5 nutzt die Bundespolizei derzeit zwei Pistolentypen, das seit 25 Jahren gebaute SigSauer-Modell P 6 und die speziell für den Polizeigebrauch entwickelte Heckler&Koch P 30, auf die seit 2009 umgerüstet wird. Von einem dieser beiden Typen ist auch die Waffe, mit der sich am Samstag der 34-jährige Beamte verletzt hatte. Er sei im Umgang mit der Waffe geschult, habe die vorgeschriebenen Übungen regelmäßig und erfolgreich absolviert, so Bundespolizei-Sprecherin Langenau. Nach Abschluss der Ermittlungen würden gegen den Beamten dienst- und waffenrechtliche Schritte geprüft.

Ganz sicher schloss Polizeigewerkschafter Zastrow gestern für die Bundespolizisten "leichtfertige Spielereien" mit den Waffen aus. "So etwas geschieht aus Langeweile – und die kann es angesichts des Arbeitspensums der Bundespolizei gar nicht geben."

(RP)
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