Schumann mit den Beatles

Schumann mit den Beatles

Dass die Beatles vom Liedschaffen Schumanns beeinflusst wurden, lässt sich schnell behaupten. Zweifellos gibt es Traditionslinien, in denen sich auch die Popmusik rund zwei Jahrhunderte später wiederfindet. Das Konzert mit Katia Labèque am Klavier und ihrer Popformation B for Bang stellte allerdings Lieder Schumanns den Songs von Paul, John und George (ohne Ringo) unverbunden zur Seite.

Schumanns "Mondnacht", "Hör ich das Liedchen klagen" und "Nun hast du mir den ersten Schmerz getan" wurden in nachtschwarze Farben getaucht. Auch wurde in der Tonhalle das Funkeln des Sternenhimmels ausgeschaltet, als man es aus Computern dröhnen ließ. Klangschleifen, Electrobeats, Samples von Glocken oder Radioansagen zeugten von Soundtüftlern, die am Werk waren. Manche Lieder erkannte man erst an einer Klavierwendung, andere am (englischen) Text oder an Melodieteilen, die David Chalmin zu seiner oft bis zum Anschlag verzerrten E-Gitarre ins Mikro hauchte oder presste. Schumann und der Zeitgeist: Das funktionierte. Erstaunlich war, dass ausgerechnet der Klavierklang hier wie ein Fremdkörper wirkte.

Das Dutzend Beatles-Nummern nach der Pause war aus eher abgelegenem Repertoire, etwa vom Weißen Album. Kein Arrangement wurde lang ausgebreitet, nahezu jedes traf den Kern der Songs. Dass sich die Electro-Abteilung zurücknahm, tat gut, besonders bei Balladen wie "Girl", "Because" und "Julia". Da kam die zerbrechlich wirkende Stimme der elfenhaften Nadeah zur Geltung. Bei "I want you" und "While my Guitar Gently Weeps" ließen es Labèque und ihre Mitstreiter richtig krachen. Und "Why Don't we do it in the Road" wurde zu seinen Blues-Wurzeln zurückgeführt.

Ein Farbtupfer im Schumannfest.

(RP)
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