Schöne Frauen aus Fernost

Schöne Frauen aus Fernost

Mit der Ausstellung "Samurai, Bühnenstars und schöne Frauen" eröffnet das Museum Kunstpalast am Ehrenhof den soeben renovierten Flügel für die Graphiksammlung des Hauses. Zu sehen sind 80 Farbholzschnitte und Studien aus der Schenkung von Hans Lühdorf.

Wunderschöne Schauspieler, unsterbliche Helden und grausame Rachegeister bevölkern zurzeit das Museum Kunstpalast. Die Schau "Samurai, Bühnenstars und schöne Frauen" eröffnet den fertig renovierten Flügel für die bedeutende Graphiksammlung des Hauses.

Versammelt sind 80 Farbholzschnitte und Studien aus der Schenkung von Hans Lühdorf. Sie zählen in ihrer Lebendigkeit zum Faszinierendsten, was die japanische Kunst des 19. Jahrhunderts hervorgebracht hat.

Ihre bedeutendsten Vertreter –die Toyokumi-Schüler Utagawa Kunisada (1786–1865) und Utagawa Kuniyoshi (1798–1861) – lassen eine Zeit auferstehen, in der die Kunst des volkstümlichen Kabuki-Theaters hoch geschätzt war und berühmte Schauspieler ähnlich hysterisch verehrt wurden wie heutzutage Brad Pitt oder George Clooney.

Farbholzschnitte fungierten heutigen Printmedien vergleichbar als populäres Massenmedium, in dem Theaterprogramme, Porträts der Stars und Impressionen vom turbulenten Geschehen hinter der Bühne vervielfältigt wurden. Aber auch dramatische Schilderungen aus japanischen Heldensagen, romantische Episoden aus der Literatur, Reise-Impressionen und grotesk überzeichnete, ironisch moralisierende "Scherzbilder" waren beliebte Motive.

Allein die beiden lebenslang miteinander konkurrierenden Meister schufen zusammen fast 45 000 Entwürfe, die dann zehntausendfach vervielfältigt wurden. Die ausdrucksstarken, fein kolorierten Blätter sind ein Augenschmaus, und die Gegenüberstellung der beiden Künstler bietet spannende Vergleiche. Der eine, Kuniyoshi, fantasievoll, leidenschaftlich und dynamisch, der andere, Kunisada, farblich besonders exquisit, mit ruhigeren, abstrakteren Bildfindungen und zu seiner Zeit der am höchsten verehrte Grafiker. In einem seltenen, anrührenden Motiv – der Darstellung von Mutter und Kind – zeigen sich Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten subtil: Bei Kunisada klammert sich das Kind auf dem Rücken seiner Mutter fest, die sich ebenso besorgt wie liebevoll zu ihm umwendet. Bei Kuniyoshi ist die Szene bewegter. Das Kind beugt sich vom Rücken nach vorne, deutet über die Schulter der Mutter neugierig auf etwas am Boden und lenkt die Aufmerksamkeit der Mutter dorthin.

Bei Darstellungen einzelner Krieger im Kampf muss man unwillkürlich an heimische Kinderzimmer denken, so vergleichbar sind Dynamik und Bildsprache mit manch einer Manga- , Sammelkarten- oder Actionfigur. Die in Serien gefertigten Episoden aus Heldenepen laden mit ihrem Detailreichtum zur eingehenden Betrachtung ein. Den anmutig und kokett sich windenden, in ihren prachtvoll gemusterten Kimonos fast mit der Landschaft verschmelzenden Damen aus Bühnenstücken sieht nur der Eingeweihte an, dass es sich um männliche Darsteller handelt. Frauen wurden 1629 von der Bühne verbannt. Schon im Kindesalter wurden Jungen aus hochgestellten Familien als Mädchen gekleidet, manche Schauspieler erlangten derartige Berühmtheit, dass (echte) Damen nach der Vorstellung das Wasser erwarben, mit dem der Umschwärmte auf der Bühne in Berührung gekommen war. Dazu passt, das der Name dieses Genres "Ukiyo-E" lautet: Malerei der fließenden, vergänglichen Welt.

(RP)
Mehr von RP ONLINE