Schau im Heine-Institut: Düsseldorfer Malerschule

Schau im Heine-Institut: Düsseldorfer Malerschule

Da lache das Herz im Leibe, wenn man die Bässe im Kirchenchor höre, berichtete der Dirigent Felix Mendelssohn Bartholdy von einem Musikfest in Düsseldorf. Und die Sänger "brüllen alle wie nichts Gutes". Freilich hatten die lautstarken Amateure einen anderen Beruf. Sie waren Maler der Akademie und gehörten damit im 19. Jahrhundert zu dem Völkchen der lustigen und vielseitigen Künstler, die von Theaterdirektor Immermann als "geistige Nomaden" bezeichnet wurden: "Sie malen nicht nur, sie verkleiden sich auch, machen Knittelreime, oder gelegentlich Oktaven, extemporieren Schnurren oder führen geschriebene Komödien auf."

Diese mannigfachen Talente und viele Querverbindungen zwischen den Künsten werden lebendig in der Ausstellung "Pinsel, Pult und Piano – Innenansichten der Düsseldorfer Malerschule", die das Heine-Institut jetzt in Zusammenarbeit mit dem Künstlerverein Malkasten zeigt. Eine heitere Stimmung liegt über den vergilbten Papieren, vermeintlich trockene Materie entpuppt sich als sprudelnder Quell von Anekdoten. 1823 schickte Akademiedirektor Cornelius an den preußischen Staat seine Kündigung mit doppelter Begründung: Er habe einen ehrenvollen Ruf nach München – und überdies werde seine sonst stets folgsame Frau "von Heimweh und entschiedenem Widerwillen für Düsseldorf verzehrt".

Amüsant ist heute auch dies. Und typisch. Immer ganz unbefangen haben die Künstler jeden hehren Auftrag mit privaten Details ausgeschmückt. Wenn Akademiedirektoren wie Cornelius, Schadow und Bendemann beim Malen erhabenen Stil und oft fromme Themen pflegten, hatten die Studenten und manche Professoren Spaß an Karikaturen und Possen. 1877 zum Kaiserfest im Malkasten kostümierten sie sich mit Fellen und Keulen und veranstaltete einen Germanenzug. Davon gibt's Fotos.

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Überhaupt die berühmten karnevalistischen Maskenbälle: Da stand die Kunst ganz im Dienste der Komik – Kulissen, Plakate, Eintrittskarten, alles von Künstlerhand geschaffen. Die Druckgraphik sorgte für massenhafte Verbreitung nicht nur von Heiligenbildchen, sondern auch von Spottschriften und viel Eigenwerbung. Liebevoll und mit einem Hauch von Ironie in der Wiedergabe feinster Details porträtierten sich die Künstler gegenseitig wie alte Meister im Atelier, jeder mit typischen Insignien: So erscheint der Deutschamerikaner Emanuel Leutze mit Souvenirs aus dem Wilden Westen, mit Tomahawk und Friedenspfeife. Recht kauzig auch mag es wirken, ist aber doch ein wunderbares Kapitel in der Geschichte der Naturkunde, dass der Maler Theodor Hildebrandt 1400 in Düsseldorf vorkommende Käferarten verzeichnete und mit zwei Kollegen 1866 den Verein für Insektenkunde gründete. So ist auch der Aquazoo mit Exponaten im Heine-Institut vertreten.

Ausstellung im Heine-Institut, Bilker Straße 12-14, bis 13. November. Eröffnung am Sonntag, 4. September, 11 Uhr

(RP)
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