Grevenbroich: RWE bestreitet Mitschuld an Krawallen

Grevenbroich: RWE bestreitet Mitschuld an Krawallen

Nach der Demonstration in Garzweiler prüft das Innenministerium das Vorgehen der Polizei.

Der Energiekonzern RWE weist Vorwürfe zurück, Mitarbeiter des Werkschutzes hätten bei den Demonstrationen am Samstag im Braunkohlerevier Garzweiler Eisenstangen in der Hand gehabt, um sich gegen Aktivisten zu schützen. Tatsächlich, so teilte der Konzern mit, seien von einigen Mitarbeitern Eisenstangen eines Zaunes aufgehoben worden, den Demonstranten vorher niedergerissen hätten.

Bei der Aktion waren rund 800 Demonstranten auf das Gelände des Tagebaus vorgedrungen und hatten einen Bagger besetzt. Der Betreiber RWE Power stoppte den Betrieb der Anlage. Die Polizei fertigte fast 800 Strafanzeigen. An dem Einsatz der Polizei gab es von Seiten der Umweltschützer erhebliche Kritik. Die Polizei erklärte dazu, man habe mit RWE "alle Optionen der Gefahrenminderung angesprochen".

Nun überprüft das NRW-Innenministerium den Polizeieinsatz bei den Protesten im Braunkohletagebau Garzweiler. "Der an dem Einsatz geäußerten Kritik wird derzeit vom Innenministerium sorgfältig nachgegangen", teilte ein Sprecher mit. In der kommenden Woche werde das Ministerium dem Innenausschuss des Parlaments berichten.

  • Fotos : Klima-Aktivisten besetzen Bagger im Tagebau Inden

Die Aktivisten hatten im Vorfeld angekündigt, die Bagger besetzen zu wollen. Trotzdem, erklärte RWE gestern, habe man die Bagger weiterlaufen lassen, um weiter Strom zu produzieren. Doch als die ersten Aktivisten auf das Gelände eindrangen, habe man die Bagger sofort abgestellt. Hingegen seien anderslautende Medienberichte falsch, wonach die Polizei dem Betreiber im Vorfeld empfohlen habe, die Bagger stillzulegen. Auch der Vorwurf, Polizei und Werksschutz hätten ungewöhnlich eng zusammengearbeitet, treffe nicht zu. Die Polizei betonte, man sei neutral.

"Die Gefahrabwehr hatte Vorrang", erklärt RWE-Sprecher Guido Steffen. Hauptziel sei gewesen, eine Eskalation der Proteste zu vermeiden und Sicherheit zu gewährleisten. Doch das gelang nicht immer: Einige RWE-Mitarbeiter seien schwer verletzt worden. Auch die Umweltaktivisten sprachen von Verletzten in den eigenen Reihen.

RWE verwies darauf, dass es unter den "vielen friedlichen Demonstranten nachweislich zahlreiche gewaltbereite Aktivisten gegeben hat". So hätten bereits am Donnerstag Aktivisten einen Wagen des Werkschutzes angegriffen und die Scheiben zerschlagen, obwohl Menschen im Auto saßen. Einem Mitarbeiter flog dabei eine Glasscherbe ins Auge.

(RP)
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