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Worauf die Pendler beim RRX hoffen

Rhein-Ruhr-Express : Worauf die Pendler beim RRX hoffen

Rund 4,5 Millionen Erwerbstätige in NRW pendeln täglich über die Grenzen ihres Wohnorts hinweg zur Arbeit. Zugpassagiere bemängeln derzeit vor allem die überfüllten Züge und häufigen Verspätungen. Der Rhein-Ruhr-Express soll Abhilfe schaffen.

Lea Bohmeyer steht am hinteren Ende des Bahngleises fünf. Ihre Hände hat die 21-Jährige tief in den Jackentaschen vergraben, ihre Schultern hochgezogen, um sich vor dem Wind zu schützen. Und während sie im gleichbleibenden Rhythmus von einem Bein auf das andere tritt, geht ihr Blick immer wieder hoch zur Anzeige. Noch 20 Minuten Wartezeit hat die Studentin am Duisburger Bahnhof, die wie jeden Abend mit dem RE 1 nach Hause fahren will. Sie sagt: "Ich hoffe, mit dem RRX komme ich künftig schneller dort an."

Rund 4,5 Millionen Erwerbstätige in NRW pendeln täglich über die Grenzen ihres Wohnorts hinweg zur Arbeit. 2,4 Millionen von ihnen nutzen schon heute den Regionalverkehr dafür. Durch den Rhein-Ruhr-Express könnten schätzungsweise nochmals mehr als 400 Millionen Pkw-Kilometer durch Umsteiger eingespart werden. Denn die neuen Züge sollen das Mobilitätsangebot mit zusätzlichen Verbindungen und Sitzplätzen verbessern.

Worauf die Pendler beim RRX hoffen
Foto: Wyglenda

Nicht zuletzt deshalb verfolgt Bohmeyer die Pläne rund um den RRX genau. Sie wohnt in Leverkusen, studiert aber in Dortmund Chemie-Ingenieurwesen im ersten Semester. Rund zwei Stunden ist sie mit dem Zug zur Uni unterwegs. "Auf dem Hinweg geht's noch. Das Problem ist der Rückweg", sagt sie. "Ich versuche mich schon manchmal früher aus der Vorlesung zu schleichen, meist jedoch verpasse ich den Anschluss in Duisburg und muss dann eine halbe Stunde am Bahnhof warten." Daher verspricht sich die Studentin viel von dem Plan, dass der RRX nach seiner Fertigstellung im 15-Minuten-Takt zwischen Köln und Dortmund verkehren soll.

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Um das zu gewährleisten, werden neue Gleise gebaut. So soll die Strecke zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf-Benrath viergleisig ausgebaut werden, zwischen Benrath und Duisburg soll es sechs Spuren geben. Der Vorteil: Der RRX hat eigens für sich reservierte Gleise, wird also nicht von langsameren Zügen wie dem Güterverkehr ausgebremst, muss aber auch nicht warten, wenn schnellere Fernverkehrszüge überholen wollen.

Worauf die Pendler beim RRX hoffen
Foto: Wyglenda

"Eigene RRX-Gleise wären wünschenswert", betont Jürgen Hölter. Der 52-Jährige pendelt täglich von Köln zu seiner Arbeitsstelle nach Duisburg. Für ihn kann es dabei nicht schnell genug gehen. "Mich nervt es vor allem, wenn der Regionalzug wieder irgendwo halten muss, weil ein ICE ihn überholen will. Es kommt dadurch ständig zu Verspätungen, mit Domino-Effekt." Auch die Idee, dass im geplanten Liniennetz des RRX eventuell die Haltestellen Benrath und Köln-Mülheim wegfallen, findet der 52-Jährige gut. Hölter: "Die Haltestellen sind bequem mit der S-Bahn zu erreichen und der Zug kommt schneller von A nach B." Darauf komme es an, ergänzt er, Schnickschnack wie W-Lan bräuchte er dagegen nicht.

Das sieht Miriam Hechtel anders. Die 18-Jährige ist im Bereich Eventmanagement tätig. "Mit einem W-Lan-Zugang könnte man die Zeit im Zug sinnvoller nutzen und Aufgaben erledigen", sagt sie. Ein Komfortangebot, das den heutigen Bedürfnissen der Berufspendler entspräche. Doch Hechtel betont: "Der größte Komfort ist Platz. W-Lan ist nur nützlich, wenn man Sitzplätze hat, an denen man arbeiten kann."

Das kann Bohmeyer bestätigen. Inzwischen ist ihr Zug eingefahren, doch einen Sitzplatz findet sie nicht. "Das ist normal. Ich habe es sogar schon erlebt, dass Passagiere am Bahnhof stehengelassen wurden, weil keine Leute mehr in den Zug gepasst haben", sagt sie.

Tatsächlich hat es auf der Strecke zwischen Duisburg und Düsseldorf in den vergangenen sechs Jahren die größten Zuwächse an Fahrgästen gegeben. Rund 25 Prozent mehr Menschen steigen dort ein. Der RRX soll eine Verdopplung der Sitzplätze bringen. "Das hört sich toll an", sagt Bohmeyer. "Die Plätze müssen aber auch breit genug sein, damit man Koffer verstauen kann."

(beaw)