Milliardenprojekt in NRW Was Sie über den RRX wissen müssen

Düsseldorf · Die Bahn baut in NRW den Rhein-Ruhr-Express. Im 15-Minuten-Takt sollen Köln und Dortmund verbunden werden. Was Sie über das Projekt wissen sollten.

Die neuen Züge des Rhein-Ruhr-Express fahren schon jetzt auf einigen RE-Linien durch NRW.

Die neuen Züge des Rhein-Ruhr-Express fahren schon jetzt auf einigen RE-Linien durch NRW.

Foto: Kompetenzcenter Marketing NRW (KCM)

Was ist der RRX?

Der Rhein-Ruhr-Express (RRX) soll den Zugverkehr in NRW entlasten. Den Plänen nach wird auf der Kernstrecke zwischen Köln und Dortmund ein schneller Regionalexpress fahren – alle 15 Minuten. Mehr Züge im engeren Takt sollen für weniger Verspätungen sorgen, mehr Fahrgäste locken und damit auch die Straßen im bevölkerungsreichsten Bundesland entlasten. Dazu wird das Schienennetz ausgebaut, von überwiegend drei oder vier auf bis zu sechs Spuren. Unterschiedlich schnelle Bahnen im Nah- und Fernverkehr sollen sich nicht mehr die Gleise teilen müssen und Staus auf der Schiene so reduziert werden. Statt wie bisher Einzellinien im Stundentakt, die nicht aufeinander abgestimmt sind, soll es mit dem Rhein-Ruhr-Express ein intelligentes Nahverkehrskonzept geben, das die Nutzung der Bahn besonders für Pendler attraktiver und zuverlässiger macht.

Der RRX wird von der National Express Rail GmbH im Auftrag des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), des Zweckverbands go.Rheinland, des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) sowie des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) und dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) betrieben.

Wann und wo soll der RRX fahren?

Das neue Lininenkonzept soll nach der Fertigstellung aus sieben Strecken bestehen:

  • RRX 1: Aachen – Köln – Düsseldorf – Essen – Dortmund
  • RRX 2: Aachen – Köln – Düsseldorf – Essen – Dortmund – Hamm – Paderborn – Kassel
  • RRX 3: Köln/Bonn Flughafen – Neuss – Düsseldorf – Gelsenkirchen – Dortmund – Münster
  • RRX 4: Koblenz – Köln – Düsseldorf – Essen – Dortmund – Hamm – Bielefeld
  • RRX 5: Düsseldorf – DuisburgOberhausen – Wesel
  • RRX 6: Koblenz – Köln – Düsseldorf – Essen – Dortmund – Hamm – Bielefeld – Minden
  • RRX 7: Düsseldorf – Duisburg – Essen – Gelsenkirchen – Münster – Osnabrück

Auf der Strecke zwischen Köln und Dortmund soll durch die Abstimmung der jeweiligen Fahrpläne alle 15 Minuten ein RRX fahren. Bis das Netz fertig ausgebaut ist, wird es laut Zeitplan der Deutschen Bahn aber noch dauern. Die moderneren Züge, die auf den Linien eingesetzt werden sollen, fahren zum Teil aber schon jetzt im sogenannten Vorlaufbetrieb auf den RE-Linien. Die Strecken des RE 11 von Düsseldorf nach Kassel (seit Dezember 2018), RE 5 von Wesel nach Koblenz (Juni 2019), des RE 6 von Köln/Bonn Flughafen nach Minden (Dezember 2019), des RE 1 von Aachen nach Hamm (Juni 2020) und des RE 4 von Aachen nach Dortmund (Dezember 2020) werden bereits von den grauen Zügen des RRX befahren.

Wie ist der Zeitplan?

Das Projekt Rhein-Ruhr-Express wurde bereits 2006 initiiert, seit 2017 werden Gleise zwischen Köln und Dortmund ausgebaut. Auch Bahnhöfe werden für den RRX umgebaut und modernisiert. Seit 2018 wird daran gebaut, die Bahnsteige für die neuen Züge fit zu machen und das Ein- und Aussteigen mit Rollstuhl, Kinderwagen oder für mobilitätseingeschränkte Menschen zu erleichtern. Bis 2025 sollen die Modernisierungsarbeiten an insgesamt 53 Bahnhöfen und Stationen abgeschlossen sein.

An den Schienen wird in verschiedenen Abschnitten gebaut, etwa in Leverkusen und Langenfeld bis Sommer 2023. Wann das gesamte Liniennetz für den RRX fertiggestellt sein wird, ist unklar. Rund 15 Jahre dürfte der Bau noch dauern, sagten Fachleute im Dezember 2022.

Ein Etappenziel ist erst mal die Fußball-Europameisterschaft 2024: Bis dahin will die Bahn den Zugverkehr zu den Stadien in Düsseldorf und Köln durch den zweigleisigen Ausbau der wichtigen S6 kräftig beschleunigt haben.

Wo wird gebaut und wie laufen die Bauprojekte?

120 Kilometer neue oder erneuerte Schienen, 15 neue Brücken, 1500 neue Signale und 75 Kilometer neue Schallschutzwände – das steht für das neue Liniennetz auf dem Plan. Dazu entsteht in Düsseldorf ein elektronisches Stellwerk, das mit einem Bereich von Leverkusen bis Düsseldorf-Kalkum eines der größten Stellwerke in Deutschland sein wird.

Unterteilt in 15 Planfeststellungsabschnitte wird zwischen Köln und Dortmund gebaut, in insgesamt neun Städten finden Gleis- und Signalbauarbeiten statt. Zusätzlich werden an vielen Stellen Schallschutzwände eingesetzt.

Den aktuellen Stand der Planungen in den jeweiligen Abschnitten können Interessierte unter www.rheinruhrexpress.de einsehen.

Welche Vorteile hat der RRX?

Der Express soll vor allem schneller und pünktlicher sein und durch die engere Taktung überzeugen. Pendlern in NRW könne so ein Anreiz geboten werden, vom Auto auf den Zug umzusteigen. Die Bahnreisenden profitieren zudem von moderneren Zügen mit mehr Komfort, die unter anderem einen stufenlosen Einstieg, Steckdosen am Sitzplatz und einen kostenfreien Zugang zu W-Lan bieten.

Was bieten die neuen Züge?

84 neue Züge des Typs Desiro HC sollen letztlich auf den Strecken fahren. Die neuen Modelle bestehen aus einstöckigen End- und doppelstöckigen Mittelwagen mit insgesamt 400 Sitzplätzen. Da die Züge meist mit zwei Wagen fahren, sind in der Regel 800 Sitzplätze vorhanden – mehr als in den derzeit eingesetzten Zügen des Regionalexpress.

Neben den Steckdosen am Platz gibt es Leselampen sowie spezielle Fenster, die den Mobilfunkempfang unterwegs verbessern sollen. Breitere Türen und der stufenlose Einstieg tragen nicht nur zur Barrierefreiheit bei, sondern sollen auch ein zügigeres Ein- und Aussteigen der Fahrgäste ermöglichen und so Verspätungen vermeiden.

(akir)
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