Roman über die Finanzkrise

Roman über die Finanzkrise

Der Held in Ulrich Fritschs Roman "Der Tanz der Heuschrecken" ist ein mutiger Mann. Er liest gierigen Managern schon mal die Leviten, setzt sich für Ethik und Moral in der Finanzbranche ein und manövriert sich so mit seiner Medien-Agentur schnell ins Abseits. Fritsch weiß, wovon er schreibt. Als ehemaliger Chef des Deutschen Aktieninstituts kennt er seine Pappenheimer. Er weiß, wie Banker und Finanzjongleure denken und handeln. An der New Yorker Wall Street oder in der Londoner City (beides auch Handlungsorte im Roman) traf er mitunter auf Wirtschaftsbosse, die für den Erfolg notfalls "ihre Familie und Freunde hinter sich lassen würden".

Der Autor versteht sein spannendes und lehrreiches Buch auch als Plädoyer gegen übertriebene Manager-Gratifikationen und für bessere staatliche Kontrollen an den entfesselten Märkten. Dass Fritsch die schwierige Finanz-Materie in eine unterhaltsame Story verwandelt hat, ist die eigentliche Überraschung bei der Lektüre des größtenteils in Düsseldorf handelnden Romans. Die Königsallee, der Industrieclub, die Schneider-Wibbel-Gasse und die Andreas-Kirche spielen eine wichtige Rolle in der Dramaturgie.

Nebenbei verhehlt der Autor nicht, dass in die Handlung etliche autobiografische Elemente eingeflochten sind. Einige der Akteure im intriganten Spiel mit dem großen Geld werden dem Leser ohnehin bekannt vorkommen. Ein leitender Manager, der in seiner Villa vor laufender Kamera abgeführt wird? Daran werden sich die meisten Leser noch erinnern. Tatsächlich sind reale und fiktive Ereignisse im Lauf der flott geschriebenen Story nur schwer auseinanderzuhalten. Manches Detail hält man kaum für möglich. Und doch beruht es auf Fakten, die man im Wirtschaftsteil der Zeitungen nachlesen kann. Damit es nicht zu trocken wird, hat Fritsch seinen rheinischen Wirtschaftskrimi mit einer prickelnden Liebesgeschichte aufgelockert. Helen Laroche, die Geliebte eines einflussreichen Wirtschaftsvertreters, spielt da eine zwielichtige Rolle im Spiel mit den Mächtigen.

Ob Fritsch sich nicht sorgt, dass er nun von alten Geschäftsfreunden und Bekannten aus der Branche als Nestbeschmutzer angesehen wird? Das Risiko habe er eingehen müssen, erzählt der 76-Jährige.

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Vor vier Jahren begann er mit dem Script seines Wirtschaftsromans. Eine schwere Krankheit zwang ihn dann zu einer unliebsamen Schreibpause. Nach der Genesung im vorigen Jahr fand der ehemalige Vorsitzende der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Die Finanzkrise war nämlich noch lange nicht ausgestanden. Mit neuer Energie beendete er seinen Roman, dessen Hauptfigur die Sünden der Banker und Politiker beim Namen nennt.

Und weil der Held der Geschichte dem Autor in manchen Details verblüffend ähnelt, darf man den unbequemen Mahner Ulrich Fritsch wohl auch als mutigen Mann bezeichnen.

Ulrich Fritsch: "Der Tanz der Heuschrecken". Frankfurter Literaturverlag. 332 Seiten. 19,50 Euro

(RP)
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