Rockerkneipe bleibt geschlossen

Rockerkneipe bleibt geschlossen

In der fünften und sechsten Etage des Gerresheimer Bunkers findet die Polizei eine der größten Marihuana-Plantagen in ganz NRW. Die 3000 Pflanzen liefern pro Jahr Drogen im Marktwert von fast vier Millionen Euro.

Anwohner und Politiker atmen auf. Die Rocker-Kneipe "Red Pearl" im Erdgeschoss des Gerresheimer Bunkers wird nach der Razzia der Polizei aller Voraussicht nach für immer geschlossen. "Uns war dieser Laden ein Dorn im Auge", sagt Bezirksvorsteher Hanno Bremer (CDU). Mit Anträgen hat die Bezirksvertretung versucht, die Konzession infrage zu stellen. "Jetzt hat die Polizei endlich hart durchgegriffen. Diese Leute waren mir schon immer suspekt", sagt ein Anwohner.

Am Mittwochabend hat die Polizei mit 100 Beamten den Bunker durchsucht. "Keine Bewegung, Polizei!" heißt es an der Tür der Gaststätte "Red Pearl". Diese wird von der Gruppe "Clan 81" betrieben, die der Rocker-Gang Hells Angels nahesteht. Die Gäste müssen Ausweise vorzeigen und werden fotografiert. Die Polizei sucht Beteiligte einer Schlägerei zwischen Hells Angels und Bandidos in Mönchengladbach.

Doch die Beamten schauen sich nicht nur im "Red Pearl" um. Sie haben einen Durchsuchungsbeschluss für den Bunker. In der fünften und sechsten Etage stoßen sie auf eine Haschisch-Plantage. "Wir haben 3000 Pflanzen gefunden", sagt Sprecher Michael Baum. Die Pflanzen wurden von 170 Lampen mit einer Stärke von 600 Watt beleuchtet und gewärmt. Die elektrische Installation mit kilometerlangen Kabeln: lebensgefährlich und abenteuerlich. An jeder Wand Sicherungen, Schaltkästen und blanke Drähte. Der Strom wurde illegal abgezapft. Frische Luft wird über große Schläuche in die Etagen geleitet. Es riecht so intensiv nach den Hanf-Pflanzen, dass die Spurensicherer mit Atemschutz arbeiten.

Vier als Erntehelfer und Gärtner angeheuerte Asiaten betreuten die Plantage. In karg eingerichteten fensterlosen und stickigen Räumen übernachten die drei Männer im Alter zwischen 28 und 32 Jahren sowie eine 33-jährige Frau. Mehr als einen Kühlschrank und eine Mikrowelle haben sie nicht, um sich zu versorgen. Gut versorgt hat das Quartett die Hanf-Pflanzen. Aus großen Tanks bewässerten sie die Pflanzen, die vom Setzling bis zur Erntereife hochgezogen wurden. Die vier Erntehelfer wurden in U-Haft geschickt. Gegen sie besteht der Verdacht des illegalen Aufenthalts. Chef der Haschisch-Plantage ist ein 24-jähriger Solinger, der Präsident des "Clan 81" ist. Er durfte nach der Vernehmung wieder nach Hause. Das Landeskriminalamt untersucht nun den Wirkstoff-Gehalt der Hanf-Pflanzen. Dem Betreiber hätte die Plantage viel Geld einbringen können. Die 3000 Pflanzen liefern 120 Kilo Rauschgift. Daraus lassen sich 960 000 Euro erzielen. Bei intensiver Pflege können die Pflanzen bis zu viermal im Jahr "geerntet" werden, das bringt fast vier Millionen Euro.

(RP)
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