1. NRW
  2. #RheinStories

#RheinStories mit Pony und Tomaten-Cappuccino

#RheinStories im Kreis Mettmann : Pony und Tomaten-Cappuccino

Eine Woche lang machten die RP-Journalistinnen Marie Ludwig und Maren Könemann mit ihrem Bulli „Rheiner“ in Mettmann auf dem Halfeshof Station und sammelten Geschichten aus der Region.

Als Fridolin mit warmen, braunen Augen unter den langen Strähnen hervor lugt, ist es um Marie Ludwig und Maren Könemann geschehen. Die Flirt-Offensive des 26 Jahre alten Shetland-Ponys ist geglückt. Während er mit seinem weichen Maul das Gras vom Zeltplatz rupft, wird er von gleich vier Händen ausgiebig gestreichelt.

Leben auf dem Bauernhof, das genießen die beiden RP-Journalistinnen nicht in vollen Zügen, sondern in einem alten VW-Bus, in dem sie für die Dauer ihrer Tour übernachten und den sie „Rheiner“ genannt haben. Nicht ohne Grund: Sie verfassen die „Rheinstories“, für die sie in dieser Woche in Mettmann Station machten. Marie Ludwig und Maren Könemann sind in Mettmann keine Unbekannten: Die Familie von Marie Ludwig lebt hier, Maren Könemann war hier Praktikantin der RP-Lokalredaktion.

Katharina Schmidt und Björn Sperling aus Wülfrath. Foto: Maren Könemann

Ihr Gastgeber ist Roland Rapp vom Mettmanner Gut Halfeshof. Der Landwirt führt den Biobetrieb als „Lernort“. Er zeigt Familien, Kita-Gruppen und Schulklassen, wo ihre Lebensmittel herkommen und schließt dabei bestürzende Wissenslücken. Aber wie sollen sie es auch lernen, die Kinder, „sie haben ja nur gelernt, dass sie im Wald auf dem Weg bleiben und nichts anfassen dürfen.“ Dem setzt er Touren entgegen, bei denen er mit den Mädchen und Jungen kreuz und quer durch den Wald läuft, spielt und Wissenswertes über die Natur erzählt. Während er „Fridolin“ wieder zu seinem Stall führt, bleibt er in diesem Element, zeigt herbstfarbene Blätter, die eigentlich noch an den Bäumen hängen müssten, und Eicheln, die wegen der Trockenheit giftgrün und unreif zu Boden gefallen sind.

Bei Irena Steinjan (vorne) dokumentieren Marie Ludwig und Maren Könemann per Handy-Video, wie ein Tomaten-Cappuccino entsteht. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Jetzt, zu Corona-Zeiten, hat Rapp mehr zu tun als sonst, denn sein Zeltplatz ist bei Urlaubern, die im eigenen Land bleiben wollen, sehr gefragt. Bei ihm können die Kinder Apfelsaft pressen, Gesichter in Kürbisse schnitzen, gewaltfrei reiten, Pferde striegeln, Hängebauchschweine streicheln, Katzen kraulen, Hühner beobachten oder Schafe füttern. „Niemand weiß, welche Farbe die Haut von Schafen hat“, sagt er, während er in das dichte Fell von Peppino greift, der auf eine Sonderration krustiges Brot hofft. Und es von den beiden Journalistinnen auch bekommt.

Die Autorinnen bei einem Oldtimertreffen in Mettmann. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Rheinstories – „ich fand das Projekt so klasse, einfach mit einem Bulli durch die Region zu fahren und zu schauen, was so läuft in der Gegend“, sagt Rapp und bringt damit die Zielsetzung des Projekts auf den Punkt. „Nachhaltigkeit“ ist ein Themenschwerpunkt der beiden jungen Frauen, und so war ihr Programm im Kreis Mettmann umfangreich: Sie trafen die Gründer von „Sperling Bags“ – die Wülfrather Björn und Katharina stellen nachhaltige Rucksäcke her und verkaufen sie online, auf Messen und in einem Mettmanner Geschäft. Sie kochten mit einer Foodstylistin Tomaten-Cappucino in der Höhle des Erkrather Restaurants „Neandertal No.1“, machten Yoga-Übungen in Mettmann, waldbadeten in Ratingen und trafen in Heiligenhaus eine Mutter, die ihren Sohn an Krebs verlor. Ihr Buch „Tigermama“ berichtet davon. „Das war die emotionalste Begegnung“, blickt Maren Könemann zurück. „Auf unserer Tour Einblicke haben wir erhalten, die man sonst nicht hätte. Alle waren total offen“, fügt Marie Ludwig hinzu.

In der kommenden Woche ziehen die Journalistinnen weiter ins Bergische Land. Auch dort werden sie auf einem Bauernhof Station machen. Und übrigens: Die Haut von Schafen ist unter ihrer dichten Wolle zart-rosa.