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RheinStories in Remscheid: Der Ziegenbock hat das Kommando

#RheinStories in Remscheid : Der Ziegenbock hat das Kommando

Die Journalistinnen Maren Könemann und Marie Ludwig machen mit dem Instagram-Format #RheinStories bei Bauer Kempe in Remscheid Station – und sie nehmen „viele schöne Erinnerungen“ aus dem Bergischen Land mit.

Das Damwild spitzt die Ohren. Die 50 Muttertiere samt ihrer Kälber haben gerade noch gemütlich am Waldrand im Gehege geäst, als sie in der Ferne das vertraute Geräusch der Schubkarre hören. Hermann Kempe schaufelt Weizen in die Tröge. „Das ist ein Leckerbissen für die Tiere“, weiß der Landwirt und Jäger. Dafür lassen sie auch das Gras im rund sechs Hektar großen Gehege links liegen.

Als sich Hermann Kempe mit der Schubkarre zurückzieht, setzen sich die ersten Tiere in Bewegung – noch vorsichtig. Mit gespitzten Ohren und laut rufend, machen sie sich auf den Weg zu den Futtertrögen. Das kleine Damwild, das im Juni zur Welt gekommen ist, läuft aufgeregt mit. Beim Futter herrscht dann Hochbetrieb. Maren Könemann und Marie Ludwig halten die Handykameras hoch. Seit Montag machen die beiden Journalistinnen der Rheinischen Post Station bei Bauer Kempe in Buchholzen – gleich neben dem großen Damwildgehege. Aber so nah haben sie die Tiere bisher nicht gesehen. Auch Urlauber, die gleich nebenan ihren Campingwagen geparkt haben, blicken gespannt über den Zaun.

Seit 1995 lebt das Damwild gleich hinter dem großen Hühnerhof der Familie Kempe. Als sich Hermann und Gabi Kempe und die Söhne Stefan und Markus mit den Eiern und Geflügelprodukten, der Direktvermarktung im Hofladen und ihren Wagen auf zehn Wochenmärkten in der Region längst einen Namen gemacht hatten, verwandelte Hermann Kempe das Grünland hinter dem Haus in ein Wildgehege. „Ich habe auch die Jagd rund um den Hof“, sagt der Landwirt, dessen Familie seit 200 Jahren Landwirtschaft in Buchholzen betreibt und der seit 1990 auch den Jagdschein hat.

Seitdem bietet die Familie auch Wildfleisch in der Direktvermarktung an. Weil die sechs Hektar Grünfläche am Hang liegen und schräg geschnitten sind, eigne sie sich kaum für eine andere Nutzung. Also zogen 1995 die ersten zwölf Tiere im Gehege ein. Heute leben 50 Muttertiere und aktuell etwa 50 Kälber an diesem idyllischen Ort mit Blick auf die bergischen Wälder. „Aber sie bleiben wild und das soll auch so sein“, sagt Hermann Kempe. Das kleinste Geräusch verschreckt die Tiere. Kein Wunder: Denn jedes Jahr im September werden die Einjährigen aus der Herde geschossen. Das Fleisch wird als Premium-Produkt des Hofes vermarktet. „Im Moment freuen wir uns aber vor allem über die Bambis“, sagt Hermann Kempe und deutet auf die kleinen Kälber, die in der Herde mitlaufen. Begleitet wird das Damwild auch von einem forschen Ziegenbock, der sich seinen Weg ins Gehege gesucht hat. Schnell habe sich der Bock seine Rolle erstritten und inzwischen das Sagen.

Maren Könemann und Marie Ludwig sammeln seit Montag viele dieser Eindrücke auf dem Hof. Hier hat Bulli „Rheiner“ einen Stellplatz gefunden, die beiden Reporterinnen haben ihr Vorzelt mit Küchenzeile und Sitzecke aufgebaut, beraten bei einem Kaffee über die nächsten Ideen und haben nach sieben Wochen im Erscheinungsgebiet der Rheinischen Post hin und wieder auch mit Müdigkeit zu kämpfen. Am Montag geht’s nach Neuss – zur letzten Station der #RheinStories. „Wir nehmen viele schöne Erinnerungen aus dem Bergischen Land mit“, sagt Marie Ludwig. E-Bulli „Rheiner“ habe manchmal ganz schön zu kämpfen gehabt. „Der Verbrauch war deutlich höher als auf den anderen Strecken“, sagt Marie Ludwig. Aber er hat durchgehalten. Belohnt worden sind die beiden Reporterinnen mit vielen unerwarteten Aussichten.