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Wie Rheinländer Trost in heiteren Liedern finden

Rheinische Lösung : Wie Rheinländer Trost in heiteren Liedern finden

Wenn ihm die Verrücktheit der Zeit die Sprache verschlägt, beginnt der Rheinländer zu singen. Heiteres Liedgut ist genügend vorhanden – zur Not auch solches, das eigentlich für andere Anlässe bestimmt ist.

Wenn alles erzählt ist, nichts Neues oder Kurioses mehr berichtet werden kann, jede Beklopptheit gemeldet wurde, drängt es die rheinische Seele noch einmal, die Stimme zu erheben – zum Gesang. Es fällt halt schwer, einfach nur zu schweigen. Angestimmt wird nach etlichen die Zunge lösenden Bierchen, was auch ohne Verstand in den Sinn kommt. Selbst Pfarrer summen derzeit Layla, weil sie den Ohrwurm nicht mehr aus dem Kopf kriegen, sich zwar über den Ballermann-Text ärgern, aber – wie im Heinsberger Land geschehen – die Melodie womöglich schon vom Organisten beim Morgengottesdienst offeriert bekamen.

Die Zipfelbuben aus Jüchen (als Mallorca-tauglich eingestuft) sind auf dem besten Weg, Layla vom Spitzenplatz in den Charts des musikalischen Schwachsinns zu verdrängen. Ihre Olivia, die angeblich jedem ihre Brüste zeigt, hat den besseren Gröhlfaktor. Wer es besinnlicher und heimatlicher mag, kann bei uns im Dorf im Biergarten bei Onkel Dieter Musikunterricht nehmen. Da waren jüngst mittelalte Herren (Abteilung Weld Ferkes) so gut gestimmt, dass sie von „Ossere Nobbers Pitter“ sangen. Die wundersame Geschichte des kleinen Peter, der Reiter werden wollte, aber weder Pferd, noch Sattel oder Säbel hatte, begeisterte Sänger und Zuhörer. Pitter wurde von seiner Mutter mit allem, was Haus und Hof hergaben, ausstaffiert. Zitat: … do nohm die Mamm d´r Jeetebock (Ziegenbock), satz d´r Pitter ovendrop …“ Und Strophe für Strophe gewinnt der Reiter an Gestalt dank Schöttelsplack (Küchentuch), Ofenpief (Ofenrohr) und Kamerpot (Nachttopf).

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Das Rheinische kennt so viele Leedcher, manchmal anzüglich, häufig hintersinnig, immer aber mit Bezug zum Milieu: „Eß mehr op de Kindtauf enjelade, da kann net schade, da jomm merr hin …“ So wird die Kindtaufe zum Feierereignis (mit Spektakel und Rauferei), hat der Spaziergang mit dem „Mädche an der Hand“ auch sexistische Ansätze: „… und dat Föttche jing esu, und esu jing da Föttche …“ Am Ende aber soll alles lustig sein. Wenn ich bester Laune bin, stimme ich selbst im Hochsommer mein Lieblings-Nikolauslied an: „Lasst uns froh und munter sein.“