Zweiter Frühling Rheinische Rentner

Meinung · Wenn Rheinländer in den Ruhestand wechseln, geht es oft erst richtig los – mit neuen Aufgaben. Zum Beispiel im Verein. Ob das wohl auch für Frank Plasberg und Henning Krautmacher gilt?

Ein gewisses Alter macht einen noch lange nicht zum Alten Eisen.

Ein gewisses Alter macht einen noch lange nicht zum Alten Eisen.

Foto: dpa-tmn/Jan Woitas

Typisch rheinisch: Wer in Rente geht, macht nicht etwa Schluss, sondern sucht sich eine Fortsetzung seiner bisherigen Tätigkeit in Verein oder Familie. Im Schützenzug haben wir seit jüngstem einen Betriebsrat. Das ergibt zwar keinen Sinn, ist aber eine schöne Aufgabe für unseren Neu-Rentner Barnie, der bislang seinem Chef Widerworte gab und nun dem Zugoffizier Paroli bietet. Barnies Lieblingsthema ist der Bierpreis. Und insoweit vertritt er die große Mehrheit aller Brauchtumsfreunde, die derzeit mit bangen Augen auf den wichtigsten Indikator für Inflation schauen: den Preis für Alt, Kölsch und Pils. Aus Köln wird berichtet, dass zum Karneval fürs Stängchen die 3 Euro-Grenze erreicht werden könnte. Ganz schön viel Geld für 0,2 Liter oder fünf kräftige Schluck Bier. Da dürften selbst betuchte Rentner wie Erry und Bömmel protestieren. Die beiden Kultmusiker der Bläck Fööss („Drenk doch ene mött“) geben Silvester ihren Abschied. Mit Mitte 70 ist Schluss mit nackten Füßen und 200 Auftritten in der Session. Bleibt abzuwarten, wo Erry mit Mundharmonika und Bömmel mit Banjo dann doch noch zu hören sein werden. Bömmel („Moni hat geweint“) will („klein, aber fein“) weiter Musik machen: Vielleicht lassen sich die kölschen Liedermacher ab und an in der Fööss-Heimat Sülz sehen, wo sich einst in der „Säge“ die Musiker tummelten und selbst auf dem Pissoir gesungen wurde. Damals (vor gut 40 Jahren) war das Bier noch billig, gab es zu meiner Studentenzeit in der Eckkneipe für Theken-Trinker sogar fünf Pfennig Rabatt. Wer sich hinsetzte, zahlte drauf.