Rheinische Lösung Was das Brauchtum aus den Heiligen drei Königen macht

Düsseldorf · Die Gebeine der Heiligen Drei Könige haben schon früher Pilger in großer Zahl nach Köln gelockt. Auch das Brauchtum hat seine Art der Verehrung für die Weisen aus dem Morgenland gefunden.

Horst Thoren
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 Als Heilige Drei Könige verkleidet verkünden Mädchen und Jungen die frohe Botschaft von der Geburt Jesu und bitten um Spenden für Kinder in Not. (Symbolbild)

Als Heilige Drei Könige verkleidet verkünden Mädchen und Jungen die frohe Botschaft von der Geburt Jesu und bitten um Spenden für Kinder in Not. (Symbolbild)

Foto: dpa/Robert Michael

Die berühmtesten Kölner sind nicht ganz freiwillig in den Dom gekommen. Ein Erzbischof (diesmal ist Woelki unschuldig!) hat sie mitgehen lassen. Woelki können kaum Vorwürfe gemacht werden, obwohl er sich für den Raub eines frühen Vorgängers nicht entschuldigt hat. Zur Geschichte: Erzbischof Rainald van Dassel, damals Kanzler Kaiser Friedrich Barbarossas, hat die vermeintlichen Gebeine der heiligen drei Könige im Jahre 1164 im eroberten Mailand stibitzt, wie es im Rheinland so harmlos heißt.

Dabei hatte der Bischof, einer der mächtigsten Männer im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, bei seinem Beutezug durchaus politische und auch wirtschaftliche Interessen. Die Reliquien der Weisen aus dem Morgenland gaben Köln, mit dem Titel heilige Stadt gesegnet und im Stadtwappen als treue Tochter Roms ausgewiesen, zusätzliche Strahlkraft. Die Wallfahrt zum Dreikönigsschrein lockte alsbald Pilger in so großer Zahl an, dass wohl auch deshalb 1248 mit dem Bau eines neuen großen gotischen Doms begonnen wurde. Dazu trug auch der Ablasshandel bei, der im mittelalterlichen Köln sogar mit Plakaten beworben wurde: Wer zahlt, wird selig und kommt in den Himmel. Das Gebet am Schrein, bis heute als Glaubensbekenntnis zur Dreikönigswallfahrt gepflegt, war damals eine zusätzliche Pflichtübung. Insoweit ging die Rechnung des erzbischöflichen Räubers über die Jahrhunderte auf.

Die Strahlkraft im Volksglauben haben die heiligen drei Könige behalten, die insbesondere im Rheinland verehrt und gefeiert werden. Köln-Besucher kommen allerdings aus aller Welt, können aber mit der Bezeichnung „Holy Kings“ nichts anfangen, obwohl sie von den berühmtesten Kölnern gehört haben. Für sie sind die Weisen, die vom Stern geführt zur Krippe kamen und dem Jesuskind huldigten, Magier, kluge Männer, aber keine Herrscher. Insoweit passt bestens, wie die Sternsinger, die in diesen Tagen bekrönt umherziehen und um Spenden bitten, die heiligen drei Könige interpretieren: Als gute Menschen, die gegeben und nicht genommen haben.

Wie sehr Caspar, Melchior und Balthasar, so werden die Weisen aus dem Morgenland seit dem sechsten Jahrhundert genannt, das volkstümliche Glaubensverständnis geprägt haben, zeigt sich mit örtlich ganz unterschiedlichen Bräuchen. Im Dorf mit K. haben vor langen Jahren schon meine Schützenfreunde die Zahl der Könige auf vier erhöht. Hier steht ab dem 6. Januar die handgeschnitzte Figur eines Schützenkönigs als vierter (Freude schenkender) Gabenbringer mit an der Krippe. Der Pfarrer öffnet die Kirche dafür und gibt seinen Segen dazu.

Im Schützenmuseum in Neuss gibt es die Brauchtumskrippe, steht, ebenfalls als Figur, ein befrackter Schützenkönig mit einem Fässchen Bier bereit. In Mönchengladbach-Schelsen hat ein rühriger Diakon mit ländlichen Wurzeln und plattdeutschem Sinn das Loblied der Könige mit mundartlichen Versen versehen. Kostproben gefällig? Wir kommen aus dem Morgenland, sind um die halbe Welt gerannt. Et wor ne schwere Gang, mir wurrten manchmal bang. Wat bist du doch eh lecker Kenk, so herzlich wie nur Pute sind.

So vorgestellt und in Szene gesetzt bekommen Caspar, Melchior und Balthasar im Krippenspiel besonders rheinisch-heimische Züge als Verkünder einer herzlichen Botschaft: Du brauchst kein Angst zu hann, wir sind eh jot Gespann! Nur König Herodes, der dem Kenk ans Leder wollte, kommt nicht gut weg: Herodes dieser Lumpenhund, ne Drecksack wie er im Buche stund, hat der Diakon und Gymnasiallehrer opjeschrieve. So geht Bibelkunde im Rheinland.

Unser Autor ist stellvertretender Chefredakteur. Er wechselt sich hier mit Politikredakteurin Dorothee Krings ab.

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