Rheinische Lösung Der Schnaps und der Teufel

Meinung | Düsseldorf · Im Karneval wird nicht nur gern angestoßen, auch in vielen Liedern geht es um den Alkohol. Warum dabei Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt werden.

Horst Thoren
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Schnaps ist im Karneval allgegenwärtig.

Schnaps ist im Karneval allgegenwärtig.

Foto: dpa/Oliver Berg

Zwischen Himmel und Hölle, Teufelchen und Engelein fühlt sich der Rheinländer sauwohl. Vor allem im Karneval wird freimütig bekannt: „Wir sind alle kleine Sünderlein.“ Willy Millowitsch gab sich rührselig, wenn er fragte: „Denn warum sollten wir auf Erden schon lauter kleiner Englein werden?“ Die zeitgenössische Version kommt von den Höhnern: „Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin.“ Die Sorge vor allem katholischer Seelen, nicht brav und fromm genug zu sein, führt zu diesem oder ähnlichen Eingeständnissen: „Ein kleiner Teufel steckt doch in jedem drin.“

So hat auch Udo Jürgens, der einst in Mönchengladbach seine Liebe fand („17 Jahr, blondes Haar“), die Gefahren des Alkohols rheinisch verinnerlicht: Er tut nicht gut, schmeckt aber bestens. Darum sang und trank er: „Der Teufel hat den Schnaps gemacht.“ Trinklieder dieses Formats gibt es für jeden Anlass: „Schon wieder eine Seele vom Alkohol ge-ret-tet-tet, schon wieder eine Seele vom Alkohol befreit.“ Das klingt moralinsauer, ist aber feucht-fröhlich zu verstehen.

Campino von den Toten Hosen hat sich auf das Himmel-und-Hölle-System eingelassen. Sein Song mit der Zeile „Du lebst mit dem Teufel“ ist weder ein liebes Lied noch ein Liebeslied. Der legendäre Jupp Schmitz versprach dagegen: „Wir kommen alle in den Himmel.“ Ein wunderbarer Freund mit Wurzeln in Wuppertal fand für seinen Sohn ein spezielles Schlaflied. Der Papa sang und summte: „Schnaps, das war sein letztes Wort, da trugen ihn die Englein fort.“

Mir selbst ging es als Ströppke kaum anders. Wenn Vater abends heimkam, trank er einen Schinkenhäger. Das letzte Tröpfchen blieb für den kleinen Horst. Der leckte, verzog das Gesicht und krähte: „Schnaps, letztes Wort.“ Damals harmlos, heute mit tiefroten Warnhinweisen versehen. Im Kölner Karneval predigt der bergische Jong, ein Diakon, manchmal mit speziellem Humor: Hier gibt es für die Heiden sogar ein eigenes Lied – Heidewitzka, Herr Kapitän. Dann doch lieber zum Teufel gehen: „Ech, en de Hölle? Nee, der Düvel holt sich doch net de Konkurrenz en et Huus.“

Unser Autor ist stellvertretender Chefredakteur. Er wechselt sich hier mit Politikredakteurin Dorothee Krings ab.

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