1. NRW
  2. Rheinische Lösung

Warum der Kölner Kardinal Woelki gerade auf große Worte verzichtet

Rheinische Lösung : Das Schweigen des Kardinals

Der Kölner Kardinal Woelki verzichtet gerade auf große Worte. Womöglich ist das im Moment eine kluge Strategie. Zwar wird es seine kommunikativen Fehler nicht vergessen machen, doch könnte es als Zeichen der Buße verstanden werden.

Was der Rheinländer gar nicht gut kann, hat Kölns Kardinal Woelki perfektioniert: Der Erzbischof hält den Mund.  Schon seiner ersten, als öffentliche Rückkehr angekündigten Predigt im hohen Dom blieb er fern. Und auch bei den evangelischen Mitbrüdern in Düsseldorf, auf einer der wichtigsten Kanzeln des rheinischen Protestantismus, musste Weihbischof Steinhäuser die krisengeschüttelten Kölner Katholiken vertreten.  In Erscheinung trat Woelki durchaus – allerdings kaum redend. Zu sehen war er privat auf dem Fahrrad in Köln und zuletzt sogar auf einem  Bagger. Doch auch beim Spatenstich für den erzbischöflichen Bildungscampus sagte er nichts über seine oder zur Situation seines Erzbistums, zu persönlichen Erwartungen an den Papst, dem er seinen Rücktritt angeboten hat.

Wer jetzt vermutet, Woelki drücke sich nach rheinischer Art, tut dem vielfach Kritisierten womöglich unrecht. Vielleicht folgt er dem Verzicht, den die Fastenzeit gebietet? Vielleicht will der zunächst gelobte und dann gescholtene Kardinal aber auch den allzu miss- und unverständlichen Äußerungen, mit denen er Teile der Kirche, des Kirchenvolks und der Öffentlichkeit gegen sich aufgebracht hat, keine weiteren hinzufügen. Vielleicht sendet er auf diese Weise sogar ein Zeichen der Buße aus?

  • Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von
    Woelki zurück in Köln : Das Schweigen des Kardinals
  • Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von
    Erster Termin in Köln nach Auszeit : Kardinal Woelki fährt Bagger
  • Woelki spricht am Freitag ein Gebet,
    Russland und Ukraine „an das Unbefleckte Herz Mariens“ : Kardinal Woelki spricht umstrittenes Weihegebet im Kölner Dom

Der Verzicht auf das große Wort, das dem Erzbischof qua Amt gegeben ist, erscheint so gesehen als erste kluge Kommunikation seit langem. Die Anfeindung der Stunksitzung als „Teufels Kardinal“ blieb ihm wegen des Urkraine-Krieges erspart. Die Ausstrahlung wurde abgesetzt. Und dennoch darf Woelki nicht darauf vertrauen, dass sein Taktieren im Missbrauchsskandal in Vergessenheit geraten könnte. Vielleicht aber sollten auch die Empörten in sich gehen und dem Erzbischof gewähren, was sie sonst so gerne fordern: eine zweite Chance.

Der Kölner sagt, mit vollem Bauch lasse sich gut Fastenpredigt halten. Es liegt an Woelki, sich glaubhaft auf das im Rheinischen fast schon heilige Verständnis des Miteinanders einzulassen: leben und leben lassen. Die Stunker schickten Woelki bereits in die Hölle. Ein Austausch der handelnden Personen aber ist keine wirkliche Lösung. Der Weg zurück geht nur über einen Systemwechsel in der katholischen Kirche.

Unser Autor ist stellvertretender Chefredakteur. Er wechselt sich hier mit Politikredakteurin Dorothee Krings ab.