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Rheinländer kleiden schlechte Nachrichten gern in sympathische Sprüche

Bei schlechten Nachrichten : Sprachliche Verpackung

Rheinländer nutzen Floskeln, um auch schlechte Nachrichten angenehm zu vermitteln. Das macht die Kommunikation sympathischer, hat aber auch Nachteile – etwa in der Politik.

Nix für unjut, nicht bös gemeint – der Rheinländer ist stets bemüht, selbst Unangenehmes freundlich zu verpacken. Dabei helfen Floskeln, die deutlich machen, dass in der Tiefe des Herzens das Verständnisvolle und Liebenswerte den Wert des Miteinander ausmachen. Auch wenn man mal ganz anderer Meinung ist oder partout einer Entscheidung nicht zustimmen kann und will, wird das gerne mit der fast schon entschuldigenden Anmerkung garniert: Nicht bös gemeint. Das ist sympathisch, kann aber auch als unbestimmt gedeutet werden.

So glaubt Armin Laschet, wie jüngst über die „Zeit“ zu erfahren war, dass es Rheinländer verdammt schwer haben, als Schwergewichte in der Politik wahrgenommen (und gewählt) zu werden. Denkt man das weiter, könnte Laschets Wahldebakel bei der Bundestagswahl (Nix für unjut) als Abrechnung mit dem lebenslustigen Rheinländer verstanden werden. Richtig ist: Seit Konrad Adenauer gab es keinen rheinischen Kanzler mehr. Aber Adenauer war vor allem eins: ein rheinisches Schlitzohr. An Klarheit in den Aussagen und Stärke in der Umsetzung mangelte es ihm nicht. Bestenfalls, so ist überliefert, soll er sich wandlungsfähig gegeben haben. Zugeschrieben wird ihm die Aussage: „Was geht mich mein Geschwätz von gestern an.“ Das Tünnes-Image aber, das dem Rheinländer anhängt, galt für ihn, obwohl lange Kölner Oberbürgermeister, jedoch nicht. Gelacht hat er gern, aber immer an der richtigen Stelle. Zurück zu Laschet (der diese Kunst nicht so gut beherrschte): Ob Rheinländer an sich oder nur im Speziellen nicht ernst genommen werden, müsste wissenschaftlich untersucht werden. Denn rheinische Toleranz und Offenheit, rheinische Diplomatie und Überzeugungskunst sind durchaus erfolgversprechend im Diskurs – ob am Tresen oder im Parlament.

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Da wird so lange geredet, bis der andere kaum noch weiß, worüber eigentlich gestritten wurde (wat sull dä Quatsch?!) und am Ende zustimmt: Wenn et denn sein muss. Wie gut, dass bei den NRW-Koalitionsverhandlungen auf beiden Seiten Rheinländer am Tisch sitzen. Wie wichtig aber auch; dass (nicht zuletzt in den Spitzen) auch andere Charaktere vertreten sind: Nicht bös gemeint.

Unser Autor ist stellvertretender Chefredakteur. Er wechselt sich hier mit Politikredakteurin Dorothee Krings ab