Rheinische Lösung Ab en de Bütt!

Meinung | Düsseldorf · Viele Reinlichkeitsrituale im Rheinland dienen eigentlich einem anderen Zweck: Sie sind Anlass für Kommunikation. Das gilt fürs samstägliche Wannenbad wie fürs Auto putzen oder Straße kehren.

Badetag in den 1940er-Jahren

Badetag in den 1940er-Jahren

Foto: ullstein bild

Der Rheinländer liebt wunderbare Rituale und manche machen sogar Witze darüber, wie es früher einmal war. Weist te noch? Der Comedian Christian Pape hat jüngst in Mönchengladbach in seinen Erinnerungen gekramt und dabei die samstägliche Badeübung entdeckt: Frisch machen für Kulenkampff, hieß es bei ihm. Zu meiner Kinderzeit war das ähnlich – allerdings ohne Aussicht auf TV. Das erste Fernsehgerät haben wir nämlich erst 1965 bekommen, und damit kam Bonanza in mein Leben.

Samstags mussten alle en de Bütt. Die Zinkwanne stand bei meiner Oma in der Waschküche. Das heiße Wasser kam aus dem Pännchen. Wenn es hieß „die Wanne ist voll“, traten alle an: Kinder und Frauen zuerst. Dann spritzen drei Dötzchen (meine Cousine, mein Vetter und ich) um die Wette. Wenn es zu doll wurde, griff Oma mit dem Schwamm ein und schrubbte uns sauber: „Jetzt iisset aber juut.“ Dann brannte die Seife in den Augen. Trotzdem war es schön, wenn „der Dreck vom Balg jewäsche“ wurde. Denn nach dem Badevergnügen gab´s was Leckeres. Ein eigenes Badezimmer hatten längst noch nicht alle. Und mancher nutzte bis in die 70er Jahre hinein die städtischen Bäder (wie das Kaiserbad in Gladbach), um sich und seinen Körper zu pflegen. Für Onkel Willi war der Samstag einer für ihn wichtigen Tätigkeit vorbehalten. Dann putzte er mit Inbrunst sein Auto – einen Ford Taunus. Wenn wir brav waren, durften wir Kinder helfen. Meist waren wir schon nach fünf Minuten pitschenass. Am Ende aber strahlte der Onkel, wenn das Auto nur so glänzte.

Sauberkeit war auch meiner Oma wichtig. Sie kehrte regelmäßig das Trottoir, wie bei uns der Bürgersteig genannt wurde. Dafür ließ sie sich Zeit, denn erstens wurde ordentlich gefegt und zweitens ausgiebig erzählt. Der Bürgersteig war ihre Bühne, auf der sie hin und her lief und alle ansprach, die des Weges kamen. Zwei Kernaussagen bestimmten die Gespräche: 1. Hast te schon jehuut? (ich weiß mehr als du) 2. Wat et nett all jöff! (das glaubst du nicht).

Wenn sich auch viel geändert hat, das Ritual der Verzällcher ist geblieben – nur gekehrt wird nicht mehr so häufig. Und auch das Baden hat eine andere Bedeutung. Das ist heutzutage Wellness, wird häufig als Ritual von Frauen wie Männern in Wohlfühloasen erledigt und hat dabei eine ähnliche Funktion wie der Badetag in früheren Zeiten: Do föhlst du dech jood bee! In diesem Sinne: Ab en de Bütt.