Red Desert – Wüstenrock aus Düsseldorf

Red Desert – Wüstenrock aus Düsseldorf

Red Desert, die rote Wüste, heißen ein karger Landstrich im US-Bundesstaat Wyoming und ein Film des italienischen Regisseurs Michelangelo Antonioni von 1965. Über diese Koordinaten ist auch die Musik der gleichnamigen Düsseldorfer Band verortet: Red Desert hat Amerika im Ohr und Europa im Herzen, wenn sie ihre Songs zu Papier bringt.

Das Debüt heißt "Woman's Ship"

Seit nunmehr 2007 sind die beiden Multiinstrumentalisten Lutz Blessing und Miguel Passarge zwischen den Bühnen der Region unterwegs und haben mit ihren Wegbegleitern Jochen Prestel am Bass und Marco Knapstein am Schlagzeug viel Live-Erfahrung sammeln können. In ständigen Feldtests hat sich Red Desert aus der Fülle des Songmaterials einen eigenen Stil aus Folk- und Rockelementen erarbeitet, der auf dem demnächst erscheinenden Debütalbum "Woman's Ship" festgehalten ist.

Songs von Red Desert sind Rohdiamanten – äußerlich ungeschliffen und brillant hinter der Oberfläche wie Miguel Passarges Gesang: Mit der bodenständigen Stimme eines Bob Dylan erzählt er in "Beauty In Disguise" von der Sehnsucht nach seiner unbekannten Schönen, einer modernen Dryade, die sich nicht hinter Bäumen verbirgt, sondern in den Wolkenkratzerschluchten der Großstadt. Im Dialog mit Blessings Geigenspiel erkennt man Red Deserts gepflegten Hang zum Kantigen, zum Rauen, der kleinen Lebensweisheiten Nachdruck verleiht. "For everything new, You lose something, too", heißt es im Refrain. Wie wahr!

Mit "Fallen Angel" gelingt Red Desert das Porträt eines gescheiterten Menschen in seiner Zerrissenheit und Isolation, ohne klassisch-religiöse Bilder zu bedienen. Dennoch wird die Eindringlichkeit eines Nick Cave erreicht. Die Grenzlinie zwischen Folk und Pop lotet das Quartett im beschwingten "From Ljubljana" aus, während der Neigung zum Gitarrenrock in "I Promise" nachgegeben wird. Der wohldosierte Einsatz von Hammond-Orgel und Klavier erinnert an Größen wie Giant Sand: Man bleibt bei aller Harmonie sperrig.

Wenn der Song "Woman Ship" zu den Klängen von Akkordeon und Shanty-Chor aus dem Hafen gleitet, klingt das wie ein Versprechen: Während bei den einstigen Vertretern der Avantgarde wie der Band Calexico das Ende der kreativen Fahnenstange erreicht scheint, streben Red Desert weiter in Richtung Horizont.

Album Die CD "Woman´s Ship" von Red Desert erscheint am Mittwoch, 30. November. Gefeiert wird die Veröffentlichung am selben Tag mit einem Konzert der Band ab 20 Uhr in der Trinkhalle, Ackerstraße 144, Düsseldorf-Flingern. Im Vorprogramm: das Duo Trees & Leaves.

(RP)
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