1. NRW

Prozess um Messerangriff im Sexshop

Prozess um Messerangriff im Sexshop

Weil er im Alkohol- und Drogenrausch einen Kunden in einem Sexshop bestahl, ertappt wurde und in Rage geriet, hat ein 47-jähriger Familienvater im März einen Shop-Mitarbeiter (33) beinahe erstochen. Das räumte der Angeklagte gestern beim Landgericht zu Prozessbeginn wegen versuchten Totschlags ein. Er habe sich geschämt, als Dieb bezeichnet zu werden. Als der Sohn der Shop-Besitzerin ihm noch die Nase blutig schlug, sei er ausgerastet, "außer Kontrolle geraten". An Details könne er sich aber "nicht mehr erinnern".

Der Angeklagte soll im März dem Sohn der Shop-Besitzerin aus Rache ein Fleischermesser in den Bauch gerammt haben. Als der Schwerverletzte trotzdem noch in ein Lokal an der Vulkanstraße flüchten konnte, wurde der Kneipenwirt zum Lebensretter. Denn bis zur Gaststätte hatte der Angreifer den 33-Jährigen mit dem Tatmesser verfolgt. Doch der Wirt schloss die Lokaltür ab, sperrte den Angreifer damit aus. Solche Tatdetails will der Angeklagte aber erst jetzt aus den Ermittlungsakten erfahren haben. "Ich schäme mich, das war alles ungewollt, ich kann mich nicht erinnern", sagte er gestern. "Ich hatte mich betrunken und Drogen genommen. Als ich dann ein bis zwei Sekunden wieder bei Sinnen war, stand ich auf der Straße, hielt ein Messer in der Hand, habe mich erschrocken und es fallen lassen." Trotz Erinnerungslücken weiß er angeblich aber genau: "Ich wollte ihn nicht töten, ihm nur wehtun!"

Begonnen hatte der Streit, als der Angeklagte im Sex-Shop einem anderen Kunden eine Börse stahl, das Portmonee dann in der Shop-Toilette wegwarf. Als das Beutegeld aber später bei ihm gefunden wurde, wollte der Angeklagte nicht auf die Polizei warten. Der Sohn der Shop-Besitzerin gab gestern zu: Beim Gerangel mit dem Angeklagten "habe ich einmal zurückgeschlagen". Dass der 47-Jährige kurz nach dem Rausschmiss mit einem eigens dafür gestohlenen Messer zurückkommen und aus Rache für die blutige Nase blindlings um sich stechen würde, habe niemand erwartet. Eine Blutprobe beim Angeklagten enthielt damals 1,86 Promille Alkohol plus Spuren von Kokain. Der Staatsanwalt hält den Angeklagten unter dem Einfluss von Rauschmitteln deshalb jetzt für gemeingefährlich, will ihn neben einer Haftstrafe noch in einer geschlossenen Entzugsklinik unterbringen. Mit einem Urteil wird Mitte September gerechnet.

(RP)