Tierparks leiden unter massivem Spendenmangel: Zu wenige Besucher: Zoos droht das Aus

Tierparks leiden unter massivem Spendenmangel : Zu wenige Besucher: Zoos droht das Aus

Viele große Tierparks im Land stecken tief in der Krise. Unter anderem fehlen Millionenspenden von Großsponsoren. Die Kommunen, denen die Zoos gehören, können die finanziellen Löcher nicht stopfen.

Die künstlichen Flussläufe der Brillenbäranlage im Dortmunder Zoo sind zugefroren. Ein kleiner Bär hängt einsam in einem der Bäume und schläft. Niemand steht vor dem Gehege, um seine Ruhe zu stören. Es ist zu kalt für einen Besuch im Zoo. "Wir haben sehr unter dem langen Winter zu leiden", sagt Ilona Schappert, stellvertretende Direktorin des Dortmunder Zoos. "Eigentlich müssen jetzt viele Menschen in unseren Tierpark kommen, damit wir Umsatz machen", sagt sie. Doch die dringend benötigten Einnahmen an der Tageskasse bleiben aus. "Die Lage ist dramatisch", sagt Schappert.

Dabei liegt es längst nicht nur am strengen Winter, dass es dem Dortmunder Zoo und den meisten anderen Tierparks in NRW nicht gutgeht — und sich ihre Situation von Jahr zu Jahr weiter verschlechtert. Es fehlt an Großsponsoren, die bereit sind, die Zoos mit Spenden in Millionenhöhe über Wasser zu halten, so wie sie es früher einmal gemacht haben. Beispiel Duisburger Zoo: Der Energiekonzern RWE stellte im vergangenen Jahr sein Sponsoring von fünf Millionen Euro ein. Auch das Koalahaus wird nicht mehr von der Fluglinie Air Berlin gesponsert. Die Airline hatte in den vergangenen Jahren kostenfrei das Eukalyptus für die Tiere aus Florida eingeflogen.

In NRW gibt es mit Duisburg, Münster, Köln, Dortmund, Gelsenkirchen, Wuppertal, Bochum und Krefeld sieben große Tierparks in fast direkter Nachbarschaft. Dazu kommen noch eine Reihe kleinerer Anlagen wie etwa der Aquazoo in Düsseldorf, der Terrazoo in Rheinberg und Sealife in Oberhausen. Sie alle kämpfen um dieselben Besucher. Und viel wichtiger: um dieselben Sponsorengelder. Von Konkurrenz will dennoch kein Zoodirektor sprechen.

Verkaufsoffene Sonntage machen Probleme

"Wir ergänzen uns alle mit unseren unterschiedlichen Tierangeboten", sagt die stellvertretende Direktorin des Dortmunder Zoos. "Es sind die Stadtfeste, die verkaufsoffenen Sonntage und die langen Öffnungszeiten an den Samstagen, die uns die Besucher wegnehmen", sagt sie. Ihre Kollegen von den anderen Zoos äußern sich ähnlich, wenn es um die Konkurrenzfrage geht. Niemand möchte öffentlich als Nestbeschmutzer gelten und von Zooschließungen und Zusammenlegungen sprechen. Dabei sei das dringend notwendig, sagt ein Zoodirektor, der anonym bleiben möchte.

"Es gibt in NRW zu viele solcher Anlagen in einem relativ kleinen Radius", erklärt er. Alle Beteiligten wüssten das. "Aber niemand — keine Stadt, kein Direktor, kein Politiker — möchte seinen Zoo aufgeben. Deswegen halten sich bei dem Thema alle bedeckt", erklärt er. "Dabei ist die Frage längst nicht mehr ob, sondern wann der erste Zoo geschlossen wird, weil er nicht mehr zu finanzieren ist."

Die Tierparks sind bis auf wenige Ausnahmen vollständig in der Hand der Kommunen. Der Dortmunder Zoo wird unter dem städtischen Geschäftsbereich der Sport- und Freizeitbetriebe geführt. "Wir erhalten jedes Jahr Geld von der Stadt, um das wir hart verhandeln müssen", sagt Ilona Schappert. Denn die Kommunen sind klamm, die Stadtkassen leer. "Allein die laufenden Kosten fressen einen auf", sagt Schappert. "Man muss sich klarmachen: Ein Zoo hat 365 Tage im Jahr geöffnet. Personal, Strom, Tierfutter — das kostet alles viel Geld", erklärt die Direktorin.

Dringende Sanierungen stehen aus

So schiebt etwa der Duisburger Zoo seit Jahrzehnten einen gewaltigen Investitionsstau vor sich hin. Der veraltete Wirtschaftshof müsste dringend saniert werden. Das Affenhaus auch. Die Zooterrassen am Haupteingang mit dem Restaurant erfüllen die Auflagen des Brandschutzes nicht mehr. Ein Neubau muss her. Rund 400.000 Euro fallen für eine Lautsprecheranlage an, um Informationen an die Zoobesucher weitergeben zu können. Und das sind nur die dringendsten Baumaßnahmen. Die Liste ist deutlich länger. Viele Gehege entsprechen längst nicht mehr den heutigen Anforderungen einer artgerechten Haltung. Auch der Tierbestand halbierte sich in den vergangenen Jahren wegen der zu hohen Kosten.

Die finanzielle Situation ist im Duisburger Zoo so dramatisch, dass der Stadtrat vor wenigen Tagen beschlossen hat, rund 3,2 Millionen Euro zum Verlustausgleich an den Zoo auszuschütten. Davon gibt es eine überplanmäßige Aufwandserhöhung von gut einer Million Euro, die für Investitionen verwendet werden. "Das deckt so gerade die laufenden Kosten", sagt ein Zoo-Verantwortlicher. Wenn den Zoos die Subventionen wegbrechen, müssen die Einnahmen an der Tageskasse stimmen. Gerade jetzt in den Osterferien. Diese zwei Wochen bilden die Hauptgrundlage für die bis zum Jahresende zu erreichenden Besucherzahlen.

Läuft das Frühjahrsgeschäft schlecht — und danach sieht es aus —, droht das nächste finanzielle Loch in der Bilanz. Ausgerechnet jetzt ist im Duisburger Zoo auch noch das Delfinarium wegen dringender Bauarbeiten geschlossen. Viele Menschen kommen nur wegen der Delfinshow nach Duisburg. Die intelligenten Säuger sind ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Giraffen, Löwen, Elefanten und Pinguine gibt es überall — entlang der Autobahn 40 gleich an vier Ausfahrten im Ruhrgebiet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Duisburger Zoo: Babys bei den Koalas

(RP/top/csi)
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