Vorschlag der EU Späterer Schulbeginn ohne Zeitumstellung? Was dafür spricht - und was dagegen

Düsseldorf · Sollte die Sommerzeit dauerhaft eingeführt werden, müssten Kinder eine längere Zeit im Dunkeln zur Schule. Daher schlägt die EU vor, den Unterrichtsbeginn zu verschieben. Unsere Autorinnen liefern sich ein Pro und Contra.

 Kinder auf dem Weg zur Schule - mit der Taschenlampe (Symbolgrafik).

Kinder auf dem Weg zur Schule - mit der Taschenlampe (Symbolgrafik).

Foto: Ferl/Martin Ferl

Die mögliche Abschaffung der Zeitumstellung könnte sich auch auf den Schulunterricht auswirken. Mehr dazu lesen Sie hier.

Pro späterer Schulbeginn von Kirsten Bialdiga, NRW-Landeskorrespondentin

Langschläfer gelten in Deutschland leicht als Faulenzer. Dabei ist mittlerweile medizinisch erwiesen, wie wichtig ausreichender Schlaf ist. Dem Biorhythmus vieler Menschen läuft ein früher Arbeits- oder Schulbeginn zuwider, insbesondere in der Pubertät. Lehrer erleben täglich, dass ihre Schüler in der ersten Unterrichtsstunde kaum aufnahmefähig sind. Sollte nun die Sommerzeit ganzjährig zur Regel werden, würden die Kinder künftig auch im Winter eine Stunde früher aus dem Bett geworfen.

Das bedeutet nichts anderes, als dass es in den Klassenzimmern mancherorts nicht vor 9 Uhr hell wird. Die große Pause im Dunkeln – keine schöne Vorstellung. Der spätere Beginn hätte aber auch noch andere Vorteile: Den Schulweg im Stockdunkeln zurückzulegen, ist gefährlicher. Zur Übermüdung kommen also schlechte Sichtverhältnisse hinzu, die Unfallgefahr auf dem Schulweg steigt.

Es gibt auch noch gesellschaftspolitische Gründe, die für einen späteren Anfang sprechen: Der Arbeitsbeginn im Berufsleben hat sich stückweise nach hinten verlagert. Viele Eltern fangen inzwischen erst um zehn Uhr an zu arbeiten. Wenn nun die Schule später beginnt, dauert sie auch länger. Das verkürzt die Zeit am Nachmittag, in der Kinder betreut werden müssen, weil die Eltern jonglieren können: Ein Elternteil beginnt früher, der andere später. Für viele wäre dies eine Entlastung – auch finanziell.

Die Uhren werden an diesem Wochenende wieder umgestellt. Was Sie dazu wissen sollten, lesen Sie hier.

Contra späterer Schulbeginn von Antje Höning, Leiterin der Wirtschaftsredaktion

Dauerhafte Sommerzeit wäre kein Grund, den allgemeinen Schulbeginn auf neun Uhr zu verschieben. Schon jetzt gehen Kinder im Winter im Dunklen zur Schule. Wo ist das Problem, wenn es ein paar Wochen mehr sind? Für Helikopter-Eltern mag das unzumutbar sein, tatsächlich können sie ihren Kindern beim Schulweg wie Lernen mehr zutrauen. Im Übrigen gibt es keine falsche Dunkelheit, es gibt nur falsche (dunkle) Kleidung.

Zweitens: Den Vorschlag „Schulbeginn um neun“ können nur lebensfremde Bürokraten machen. Wie sollen berufstätige Eltern, die um acht Uhr im Job sein müssen, das organisieren? Soll nur einer arbeiten? Soll jeden morgen die Oma ran? Hier wird die Logistik der Familien überfordert.

Drittens: Das Argument, Schule dürfe sich nicht nach dem Takt des bösen Kapitalismus richten, ist ideologisch. Natürlich gibt das Wirtschaftsleben, mit und von dem wir alle leben, den Takt in der Gesellschaft vor. Es macht den Werktag zum Werktag, das Wochenende zum Wochenende. Welche Generation soll da herangezogen werden, der wir das nicht mehr zutrauen?

Viertens: Wer erst um neun anfängt, muss in den höheren Klassen regelmäßig Nachmittagsunterricht anbieten, um das Regelstundenpensum zu schaffen. Darauf sind die Schulen nicht vorbereitet, im Interesse der Kinder ist es auch nicht. Gut gemeint ist nicht zu Ende gedacht.

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