Yitzhak Melamed nach Attacke in Bonn: „Natürlich werde ich auch meine Kippa tragen“

US-Wissenschaftler nach Attacke in Bonn : „Natürlich werde ich auch meine Kippa tragen“

Der jüdische US-Wissenschaftler Yitzhak Melamed wurde in Bonn zuerst von einem jungen Mann angegriffen und dann von der Polizei mit dem Verdächtigen verwechselt. Er will trotzdem wieder nach Deutschland kommen - und dann auch seine Kippa tragen.

„Ich habe bereits Termine, auf die ich mich freue. Und natürlich werde ich auch meine Kippa tragen", sagte der jüdische US-Wissenschaftler Yitzhak Melamed dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Allerdings schränkte er ein: „Sollte sich die Lage allerdings verschärfen, werde ich darüber nachdenken müssen, vielleicht nicht mehr zu kommen.“

Melamed betonte, es gehe ihm gut und er habe viele Briefe und Mails bekommen, „in denen mir Freunde, aber auch völlig fremde Menschen ihre Anteilnahme ausgedrückt haben. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Darunter seien auch Mails von in Deutschland lebenden Muslimen, von Türken und Arabern gewesen.Allerdings habe er auch einige wenige Hassnachrichten erhalten wie „Ihr verdammten Juden heult noch immer über eine Zeit, die vor 73 Jahren geendet hat.“

Der 50-jährige, in den USA lebende israelische Hochschulprofessor war im Bonner Hofgarten von einem Mann auf die von ihm getragene Kippa angesprochen und mit judenfeindlichen Sprüchen beleidigt worden. Der Angreifer, ein 20-jähriger Deutscher mit palästinensischen Wurzeln, hatte ihm dann die jüdische Kopfbedeckung heruntergerissen und ihm gegen die Schulter geschlagen.

Der Vorfall sorgte bundesweit für Schlagzeilen - auch weil die Polizei anfangs Opfer und Täter verwechselt hatte. Als Reaktion auf den Vorfall hatten sich am Freitag mehrere hundert Menschen in Bonn zu einem „Tag der Kippa“ versammelt, um ein Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenhass zu setzen.

Melamed nannte die Demonstration „eine sehr wichtige Aktion“. Denn die Situation für Juden in Deutschland sei derzeit besorgniserregend: „Viele haben Angst, mit der Kippa nach draußen zu gehen. Das ist nicht akzeptabel, und so darf es auch nicht weitergehen.“ In den USA habe er noch keine Erfahrungen wie in Deutschland gemacht, sagte Melamed der Zeitung „Die Zeit“: „In den USA ist das vollkommen anders. Weder das Tragen einer Kippa noch das Tragen einer Burka oder eines Kopftuchs ist ein Problem. Es ist dort völlig normal, dass Menschen ihre Religion frei und offen leben.“

(wer/kna)
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