Wuppertal: Bonobo Bili bleibt in seiner Gruppe

Verstoßener Affe im Zoo: Bonobo Bili soll in Wuppertal bleiben

Bonobo Bili wird im Wuppertaler Zoo immer wieder von seinen Artgenossen angegriffen und verletzt. Nun hat sich der Verband der Zoologischen Gärten zu der Situation geäußert.

"Wir wissen, dass die Zoologen und Tierpfleger vor Ort alles tun, um die Aggressionen, die dem natürlichen Verhalten der Bonobos entsprechen, gegenüber Bili abzuschwächen und sie ausklingen zu lassen", sagt Volker Homes, Geschäftsführer des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) in Berlin. "Durch die zeitweise Aufteilung der Affengruppe in kleinere Einheiten gibt es inzwischen deutlich mehr ruhige Kontakte zu Bili, der sich deswegen auch merklich entspannt hat."

Vor diesem Hintergrund lehnt der VdZ die Übersiedlung von Bili in einen anderen Zoo oder eine sogenannte Auffangstation aus fachlichen Gründen ab. "Wir verstehen natürlich, dass sich Zoobesucher wegen Bilis Wunden erschrecken und um seine Gesundheit besorgt sind", sagt Homes. "Allerdings würde sich seine Situation in einem neuen Zuhause nicht verbessern, sondern unter Umständen sogar verschlechtern."

Tierfreunde hatten die Auffangstadtion "Wales Ape & Monkey Sanctuary" als mögliches Zuhause für Bili ins Spiel gebracht. Nachdem es am Wochenende zu einem Gespräch zwischen einem Vertreter der walisischen Auffangstation und den Experten des Wuppertaler Zoos gekommen war, steht für den VdZ aber fest, dass aufgrund mangelnder Expertise die Institution in Wales keine Lösung sein kann. "Weder gibt es derzeit eine Bonobo-Gruppe, noch sind überhaupt Erfahrungen in der Haltung dieser Menschenaffen vorhanden", sagt Homes. "Wie will man, wenn man dies über die eigene Auffangstation sagen muss, einen Bonobo wie Bili managen, der es schon seit seiner Geburt nicht einfach hatte? Er würde ganz allein in einem Gehege sitzen und hätte keine Kontakte zu Artgenossen - für sozial veranlagte Tiere wie Bonobos eine absolute Katastrophe."

Zur Rede stand auch, ob der Affe möglicherweise in den Frankfurter Zoo zurückkehren könnte, wo er aufgewachsen war, nachdem seine Mutter ihn in Großbritannien verstoßen hatte. Doch laut VdZ hat sich die Gruppenkonstellation im hessischen Zoo durch den Zuzug von zwei erwachsenen Weibchen derartig geändert, dass eine Reintegration des jungen Bonobos in die Frankfurter Gruppe noch komplizierter sein könnte als in Wuppertal. Er bleibt also in Wuppertal.

Bili war im November vergangenen Jahres aus Frankfurt nach Wuppertal gekommen und sollte dort für Nachwuchs sorgen. Er wird von seiner neuen Gruppe bislang aber nicht akzeptiert. Fotos zeigen Bili blutend mit Bisswunden, Teile seines Ohres und seines Fingers fehlen.

(hsr)
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