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Neuss nimmt Flüchtlinge auf: Wohin mit den Asylbewerbern?

Neuss nimmt Flüchtlinge auf : Wohin mit den Asylbewerbern?

Umfrage zum geplanten Asylantenheim in Neuss

Die Zahl der Asylbewerber ist stark gestiegen. Die Städte prüfen, wo sie Flüchtlinge unterbringen können. Die Notunterkunft in Köln-Deutz wird am Samstag schließen. Bis dahin müssen Quartiere für die 200 Menschen gefunden sein. In Neuss könnten erste Asylbewerber Freitag ankommen.

Ein Vorhängeschloss sichert den Haupteingang zum ehemaligen Krankenhaus der Alexianer in Neuss. Hinter den Mauern tut sich noch nichts. Dabei könnten dort laut dem Anwalt der Alexianerbrüder schon ab Freitag bis zu 150 Flüchtlinge untergebracht werden. Die Alexianer und die Bezirksregierung haben sich dem Anwalt zufolge am Dienstag nach tagelangen Verhandlungen auf einen Vertrag verständigt und bereits auf einem Fax unterschrieben. Am Mittwoch bestätigte das das NRW-Innenministerium.

Offenbar hatte die Einschränkung des Ordens, nur Flüchtlinge aus Kriegsgebieten aufnehmen zu wollen, die Unterzeichnung verzögert. Monika Düker, Parteichefin der Grünen in NRW, forderte den Orden auf, "in der praktischen Auslegung der christlichen Nächstenliebe nicht nach Herkunftsländern zu unterscheiden". Auch in Serbien und Mazedonien würden Roma wegen ihrer Herkunft stark diskriminiert. Wer Flüchtlingsgruppen gegeneinander ausspiele, schüre Ressentiments. Gestern Abend teilte der Rechtsanwalt der Brüder mit, der Orden habe zugestimmt, auch Roma aufzunehmen.

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Unterkünfte platzen aus allen Nähten

Die Bezirksregierung hatte tagelang mit der Neusser Bruderschaft über das Notquartier verhandelt. Denn für die steigende Zahl von Asylbewerbern in NRW stehen noch immer nicht ausreichend Unterkünfte zur Verfügung. So muss die Notunterkunft in einer Turnhalle in Köln-Deutz, die in der vergangenen Woche eingerichtet worden war, bereits am Samstag wieder freigegeben werden. "Wir benötigen die Halle ab Montag für den Schulbetrieb", sagte Inge Schürmann, Sprecherin der Stadt Köln, am Dienstag.

"Das Land hat uns seine Zusage gegeben, dass wir die Halle dann räumen können. Was mit den Flüchtlingen passiert, wissen wir aber noch nicht." Andere Ausweichquartiere gebe es in der Domstadt nicht. "Die Unterkünfte platzen aus allen Nähten. Wir können niemanden mehr aufnehmen", sagt Schürmann. 2100 Asylbewerber und Geduldete gebe es aktuell in Köln. Laut Quote müsse die Stadt jedoch nur 630, also rund ein Drittel, aufnehmen.

Ob die 200 Asylbewerber aus Köln nach Neuss übersiedeln werden, ist noch unklar. "Es werden sicherlich nicht alle Asylbewerber in Busse gesetzt und nach Neuss gefahren", betonte die Kölner Stadtsprecherin. Nicht auszuschließen sei aber, dass einzelne Asylbewerber von Köln nach Neuss gebracht werden. Denkbar wäre auch, dass sie auf Quartiere in mehreren Kommunen in NRW verteilt werden. Dutzende Städte bereiten sich auf Zuweisungen vor. Sie sollen Kapazitäten melden.

In Geldern etwa gibt es die Idee, das alte Rathaus im Ortsteil Hartefeld mit Platz für 20 bis 30 Flüchtlinge herzurichten und freizugeben. Jedoch stünde der Raum dann nicht mehr den Vereinen zur Verfügung.

Die Stadt Düsseldorf streitet unterdessen mit der Bundeswehr, denn man hat angefragt, ob man Flüchtlinge nicht gegebenenfalls in leerstehenden Gebäuden der Bergischen Kaserne unterbringen könne. Das wurde abgelehnt. Eine Sprecherin von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) bestätigte, es werde zu diesem Zweck auch auf Bundesebene über ehemalige Liegenschaften der Bundeswehr verhandelt. In Düsseldorf sucht man nun andere Unterkünfte, will aber auf keinen Fall Schulen oder Turnhallen nehmen.

In Mönchengladbach sind bereits 88 Asylbewerber, darunter 30 Kinder und fünf schwangere Frauen, auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks (THW) einquartiert worden. 55 Ehrenamtler von THW und dem Deutschen Roten Kreuz kümmern sich um sie. Längstens bis zum 26. Oktober sollen die Flüchtlinge dort bleiben, so besagt es eine Vereinbarung zwischen THW und Bezirksregierung.

Zur Entlastung der zentralen NRW-Flüchtlingsheime in Dortmund, Bielefeld, Hemer und Schöppingen wird die frühere Flüchtlings-Anlaufstelle Unna-Massen für die Aufnahme von Asylbewerbern hergerichtet. Bis gestern kamen 134 Flüchtlinge dort an. Das Land will ein weiteres Provisorium in Stolberg einrichten. Die Unterkunft soll vom THW betrieben werden.

Da das Asyl-Heim in Neuss nur ein Jahr lang als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden kann, sucht das Land weiter nach einem Standort für eine zentrale Unterkunft. In Neuss müssen nun zügig Betten aufgebaut werden und das leerstehende Haus beheizt werden.

(RP/top/csi)