Wo Edelsteine gegen Krebs helfen - Rundgang über Kölner Esoterikmesse

Esoterikmesse in Köln : Hogwarts für Erwachsene

Feuerdrachen, Stimmenschamaninnen und Edelsteine gegen Tumore: Ein Rundgang auf der Esoterikmesse „Spiritualität & Heilen“ in Köln führt von der Welt des Wissens zügig in die Welt der Wunder.

Der Karneval in Köln liegt schon beinahe wieder zwei Wochen zurück, die Veranstaltung an diesem Sonntag heißt „Spiritualität & Heilen“, eine Esoterikmesse, und im Untertitel: „Seit über 25 Jahren das Forum für alternative Medizin & Spiritualität.“ Gleich am ersten Stand geht’s los. Das Armband „Heilung Innerer Mann“ ist für 29 Euro zu haben, das Mondsteinarmband ebenso, „es nimmt keine Fremdenergie auf und muss nicht gereinigt werden“, steht da.

Noch mehr können die Heilsteine, die an diversen Ständen verkauft werden: „Unterstützt die Funktion der Körpersäfte“, „Gegen Kopfschmerz u. Migräne“, „Stärkt Gehirn und Rückenmark“ und „Wirkt gegen Tumore im gesamten Körper“. Wer aber trotz dieser Heilsteine doch schon mal gestorben ist, kann sich an anderer Stelle für zehn Euro die Frage beantworten lassen: „Was waren Sie in Ihrem früheren Leben?“

Die fernöstlich aussehende Frau sagt, Reiki schön und gut, „aber mit Rainbow-Reiki kann man noch bessere Ergebnisse erzielen“. Das Reiki sei ein Telefon, Rainbow-Reiki ein Smartphone mit vielen Apps. Xenia sieht in ihrem Zelt für 30 Euro zehn Minuten in die Zukunft. Wie teuer das wohl alles erst wäre, wenn man nicht den Großteil der Arbeit, das Daran-Glauben, selbst übernehmen müsste?

Ein paar Stände weiter bearbeitet die Stimmenschamanin Papajeahja Sandy gerade eine Frau, eine „schamanische Einzelbehandlung“ für 50 Euro wird dargeboten. Die Frau liegt mit dem Rücken auf einer Liege. Sandy in ihrem Gewand in Rosa und Gold macht Geräusche, sie zieht an den Füßen der Frau, die Frau atmet schwer, als würde Sandy sie beschwören. Dann haut Sandy auf die Trommel, heult die Frau an. Am Ende macht sie noch was mit einer Adlerfeder.

Nur einige Meter weiter spielt Handleserin Annelore ihre ganze Erfahrung von mehr als 20 Jahren aus. Einer älteren Frau erzählt sie, diese habe ein Helfersyndrom, worin die Frau ihr zustimmt. Doch es gibt gute Nachrichten. „Geld kriegen Sie auch. Auf jeden Fall sollten Sie Lotto spielen.“ Und diese: „Da kommt noch mal jemand.“ Und auch noch diese: „Sie werden uralt, weil Sie wollen, weil Sie fit sind... Haben Sie Magen-Darm-Probleme?“

So kann man mit den anderen Besuchern, tendenziell älter, tendenziell weiblich, durch die Räume streifen und sich wundern, welche Wunder mittlerweile möglich sind. „Revitalisierte Lebensmittel aus der Energieschale schmecken besser“, heißt es dort, zu haben ist auch „bio-energetische Kleidung mit Edelsteinen“. Das Medium Uschi verspricht „Seelengespräche mit der geistigen Welt“. Eine Handheilerin verkündet auf einem Plakat, mit ihrer magnetischen Heilkraft könne sie Menschen von ihrem Schmerz befreien, Infektionskrankheiten behandeln und das Immunsystem stärken. „Mein Zahnfleisch ist nachgewachsen“, sagt eine Verkäuferin über das Produkt, das sie verkauft. Am Bücherstand sind Werke zu haben mit Titeln wie „Wenn Tiere ihren Körper verlassen“, „Die intergalaktische Friedensmission 2012“ und „Der Kornkreis-Code“.

Würden die Medien und Wahrsagerinnen und Handheilerinnen nicht zwischendurch Gulaschsuppe essen oder Nudelsalat aus der Tuppderdose, man könnte denken, sie wären nicht von dieser Welt. Das würde die buntbemalte Beatrice wohl mit Entschiedenheit von sich behaupten. Die Esoterikmesse bietet auch Raum für Vorträge mit Titeln wie „Mediale Botschaft aus dem Jenseits“, „Zukunftsmedizin der transdimensionalen Zellverjüngung“, „Heilen mit Engeln“. Und eben den Vortrag von Beatrice mit ihren grüngefärbten Haaren.

An der selben Stelle, an der vor wenigen Minuten noch ein Handleser gesagt hat, wenn die Schicksalslinie nicht zu sehen sei, laufe vieles im Verborgenen ab, erklärt Beatrice, welches Tierwesen in einem steckt beziehungsweise inkarniert ist, was auch immer genau das bedeutet. Ein Feuerdrache zum Beispiel. Woran man das erkennt? „Die Augen sind das Fenster zur Seele“, sagt sie, das hat man schon gehört, dann sagt sie aber auch: „Bei Aliens stechen die Augen so heraus“, da könne man das Weltall sehen. „Die Alienrassen, die wir hier haben, sind vor langer Zeit auf die Erde gekommen.“

Wer da jetzt Zweifel anmeldet, wer da nur an Hokuspokus statt Heilung denkt, der mag wohl Recht haben. Aber wäre es nicht viel schöner, wenn das alles wahr wäre, was in dieser Harry-Potter-Welt für Erwachsene erzählt wird? Es wäre doch schön, durch einen Edelstein gesund zu werden. Eine Pille ist ohne Poesie. Wer möchte nicht lieber in einer Welt leben, in der die Zaubersprüche funktionieren?

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rundgang über die Messe „Spiritualität & Heilen“ in Köln

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