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WM 2018: Wirte aus NRW hoffen trotz deutschem Aus auf Fußball-Fans

Derbe Umsatzeinbußen : Nach dem WM-Aus hoffen die NRW-Wirte jetzt auf einen schönen Sommer

Die deutsche Elf ist ausgeschieden. Das WM-Aus trifft die Wirte in der Region hart. Experten sprechen von Umsatzeinbußen im Millionenbereich. Wir haben uns unter Gastronomen umgehört.

Thomas Wenning ist frustriert. „Ich habe mir extra für die WM eine zwei Mal drei Meter große Leinwand ausgeliehen. Nun bekomme ich das Geld, das ich dafür ausgegeben habe, niemals wieder rein“, sagt der Wirt der Gaststätte Partytur in Neuss-Weckhoven. So wie Wenning ergeht es vielen Wirten in Nordrhein-Westfalen.

Thorsten Hellwig, NRW-Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), sieht das ähnlich. „Der Frust ist groß. Für viele Fans waren die deutschen Spiele ein Ausgehgrund, der jetzt wegfällt“, sagt Hellwig. Bei einem Weiterkommen des deutschen Teams hätte es in der zweiten WM-Hälfte erfahrungsgemäß ein zusätzliches Absatzpotenzial von etwa 400.000 Hektoliter für die hiesige Braubranche gegeben. Das entspreche einem Umsatzpotenzial in der Größenordnung von etwa 40 Millionen Euro, das nun für die Braubranche verloren gegangen sei, sagt der Sprecher der Privatbrauerei Veltins, Ulrich Biene.

„Vor vier Jahren hatten wir beim Finale richtig Stadionstimmung hier am Dellplatz, das hat schon Spaß gemacht”, sagt Jutta Rozanski von der Brauerei Webster in Duisburg. Sie befürchtet, dass jetzt weniger Gäste zum Fußballgucken kommen. „Die Bindung zu den anderen Mannschaften fehlt einfach. Bei den Vorrundenspielen der deutschen Mannschaft war der Biergarten bei uns restlos ausgebucht. Bei den Spielen der anderen Mannschaften gab es eher mäßiges Interesse.“ Rozanski hofft jetzt auf das gute Wetter. „Das kann helfen, dass die Leute die WM-Spiele draußen gucken wollen. Vielleicht gibt es jetzt auch Zuspruch für die Außenseiter, die noch dabei sind.”

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Keine allzu großen Sorgen, dass ihm die Gäste wegbleiben, macht sich Igar Stepanow vom Extrablatt in Moers. „Es wird wahrscheinlich nicht mehr den ganz großen Ansturm geben wie bei den Deutschlandspielen. Aber es kommen auch andere Fans. Wir haben viele Spanier zum Beispiel. Die Stimmung wird also aufrechterhalten”, sagt der Wirt.

Auch das Weiss Blaue Haus in Pempelfort hat die Spiele der Nationalelf übertragen. „Bei den Partien rund ums Halbfinale wäre schon was los gewesen“, sagt Inhaberin Petra Lohmann. „Aber das kann man ja nicht einplanen.“ Nun werde der Alltag zurückkehren. „Dann verkaufen wir mehr Speisen und weniger Bier. So ist das eben.“ Die übrigen WM-Partien wird es weiterhin im Wirtshaus zu sehen geben.

Reduziert wird auch das Programm des einen oder anderen Public Viewings, zum Beispiel in Dortmund. Das dortige Deutsche Fußballmuseum wollte alle Spiele mit deutscher Beteiligung und das Finale zeigen. „Jetzt übertragen wir nur noch das Endspiel“, sagte ein Museumssprecher. Nach wie vor verspricht sich dagegen das Public-Viewing-Schiff der „Weissen Flotte Düsseldorf“ Atmosphäre: Auf der Leinwand am Boot auf dem Rhein werden alle Spiele der WM übertragen.

Dehoga-Sprecher Hellwig hofft nun darauf, dass zumindest der Sommer einige Gaststätten aus der Patsche hilft. „Wir hatten auf Sonne plus Fußball gesetzt. Die Rechnung ohne den Fußball geht so aber nicht mehr auf“, sagt er. Gerade für die Düsseldorfer Wirte sei das Aus der deutschen Mannschaft bitter, weil auch das Konzert von Ed Sheeran abgesagt wurde. „Das hätte ein super Sommer für die Gastronomen werden können. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung auf Sommer und Sonne.“

Wenning dagegen setzt auf die Fußball-Fans, denen das Ausscheiden der deutschen Mannschaft egal ist. „Wenn die richtigen Fußball-Fans weiter kommen, wäre das gut für uns. Ich hoffe, dass sie trotz des Ausscheidens auch weiterhin die WM verfolgen wollen“, sagt er.

Mit Material von dpa

(seeg/see/sef)