Witten: Polizei findet Anwortschreiben auf offenen Brief

Nach tödlichem Unfall in Witten : Überraschende Antwort nach Polizei-Appell: "Gewissen bereinigen"

Fünf Jahre nach einer tödlichen Fahrerflucht hatte sich ein Bochumer Polizist mit einem emotionalen Appell an den bis heute nicht gefundenen Täter gewandt. Jetzt meldete die Polizei in Witten den Fund eines "Antwortschreibens", in dem offenbar konkrete Angaben zum Vorgang gemacht werden.

In der vergangenen Woche hatte der Ermittler in einem offenen Brief an den Täter appelliert, sich zu melden. Wie die Polizei am Montag mitteilte, entdeckten Beamte der Wittener Polizeiwache in der Nacht auf Sonntag gegen 0.45 Uhr hinter dem Heckscheibenwischer eines Streifenwagens ein zusammengefaltetes Schreiben.

In einem mehrseitigen handgeschriebenen Text, der mit den Worten "Ich schreibe diesen Brief, um mein Gewissen bereinigen zu können ..." macht der Verfasser sehr konkrete Angaben zu der Unfallflucht in der Halloweennacht. So nennt er nicht nur Namen sondern gibt auch Hinweise zu dem in den Unfall verwickelten Opel Corsa. Diese Person wird vom Bochumer Verkehrskommissariat dringend gebeten, sich unter der Rufnummer 0234 / 9099 bei der Polizei zu melden.

Die Fahnder seien nun dabei, den unbekannten Verfasser zu ermitteln, der in dem handschriftlichen Brief Namen und eindeutige Hinweise auf das Umfeld des Täters gegeben habe, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Brief gibt der Polizei neue Rätsel auf

Gleichzeitig gibt der Brief der Polizei aber neue Rätsel auf: Wer hat den Brief geschrieben? Was weiß er? Und was ist die Motivation des Verfassers? Aus dem Schreiben gehe zunächst hervor, dass der Urheber nicht am Unfall beteiligt sein soll, aber über die Umstände Bescheid wisse, sagte der Polizeisprecher. Nachdem die Nachricht über den anonymen Tipp-Geber verbreitet wurde, seien zudem "weitere Hinweise mit konkreten Informationen" bei der Polizei eingegangen.

Nach der Auswertung des Schreibens durch die Polizei kann die Staatsanwaltschaft Bochum die Verjährung unterbrechen und Verdächtige vernehmen. Allerdings nur, sofern schwerwiegende Hinweise vorliegen, die auf eine fahrlässige Tötung und Fahrerflucht schließen lassen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Der Brief des Polizisten war an die Person gerichtet, die am 1. November 2010, um 04.25 Uhr, auf der Rüsbergstraße in Witten-Herbede zunächst einen jungen Wittener (20) überrollt und dadurch getötet hat. Direkt danach flüchtete diese Person mit einem Opel Corsa von der Unfallstelle. Neben dem Unfallflüchtigen sollten auch mögliche Mitwisser dazu bewegt werden, sich bei der Polizei zu melden.

(rl)
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