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Winterberg: Straßen gesperrt - Betretungsverbot und Sperrung von B480 durch Polizei

Corona-Chaos im Sauerland : Polizei riegelt Zufahrten nach Winterberg und Hellenthal ab

Obwohl in Winterberg seit Samstagabend ein Betretungsverbot für Pisten und Freiflächen gilt, meldete die örtliche Polizei am Sonntag wieder viel Verkehr und volle Parkplätze. Gegen Mittag griffen die Beamten durch - es hagelte Verwarngelder und Anzeigen.

Es klingt wie ein Déjà-vu, auch am Sonntagmorgen machen sich wieder zahlreiche Menschen zum sauerländischen Skiort Winterberg auf. „Die Autobahnpolizei meldet uns ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in Richtung Winterberg. Und die ersten freien Parkflächen sind auch schon wieder voll“, sagt ein Sprecher der Kreispolizeibehörde auf Nachfrage und ergänzt: „Wir müssen davon ausgehen, dass es wieder voll wird.“ Seit Mittag sind alle sechs Zufahrtsstraßen bis auf weiteres gesperrt. Leute, die schon vor Ort sind, werden gebeten sich zu entfernen oder bekommen Ordnungswidrigkeitsanzeigen.

Es komme jetzt praktisch niemand mehr rein, sagte eine Sprecherin der Stadt Winterberg. „Wir haben gestern Abend noch ein Betretungsverbot ausgesprochen, aber die Leute sind trotzdem wieder hierhergekommen“, berichtete sie. Jetzt würden sie aber hoffentlich umdrehen und zurückfahren.

Auch in Hellenthal in der Eifel war der Andrang so groß, dass die Polizei die Zufahrtswege zu beliebten Hängen sperrte. Es herrsche enormer Betrieb, sagte ein Polizeisprecher.

Am Samstagabend noch hat die Stadt Winterberg ein Betretungsverbot für viele Flächen und Pisten ausgesprochen. Die Polizei des Hochsauerlandkreises leiste der Stadt Amtshilfe, erklärt der Polizeisprecher, um die verhängte Corona-Schutzverfügung der Stadt durchzusetzen. Dafür sei man am Sonntag erneut mit erhöhter Stärke vor Ort.

Bereits am Samstag hatten sich viele Ausflügler auf den Weg ins verschneite Sauerland gemacht - trotz wiederholter Bitten der Stadt Winterberg, auf Ski- und Rodelspaß im Lockdown zu verzichten. In den verschneiten Ortschaften der Region bildeten sich längere Autoschlangen und Staus, die Parkplätze füllten sich.

Am Samstagnachmittag dann sperrte die Polizei die Bundesstraße 480 als Zufahrt nach Winterberg. Von Sonntag bis zum kommenden Sonntag (10.1.) dürfen nun bestimmte Bereiche nicht mehr betreten werden, wie die Stadt am Abend mitteilte. Betroffen sind die Pisten in Altastenberg, Neuastenberg, Niedersfeld, Winterberg, Züschen und die dazugehörigen Parkplätze sowie der Bereich rund um den Kahlen Asten und der Großraumparkplatz Bremberg. Verstöße sollen konsequent geahndet werden.

Polizei und Ordnungsbehörden schrieben bereits am Samstag Anzeigen wegen zahlreicher Verstöße gegen die Corona-Schutzmaßnahmen, wie eine Sprecherin der Stadt Winterberg sagte. Unter anderem wurden 94 Verstöße gegen die Kontaktbeschränkung festgestellt und 176 Verstöße gegen die Maskenpflicht, die im Stadtgebiet unter anderem auf Pisten und Parkplätzen gilt. Dazu kamen zwei Strafanzeigen, weil Einsatzkräfte beleidigt wurden und in einem anderen Fall bespuckt werden sollten.

Die Bilanz für Sonntag: 150 Verwarngelder wegen Parkverstößen, 26 Verwarngelder für Verkehrsverstöße, 3 Ordnungswidrigkeitenanzeigen für Verkehrsverstöße, 63 Platzverweise, 6 Verstöße gegen die Maskenpflicht, 19 Verstöße gegen das Betretungsverbot, 5 Verstöße gegen Kontaktbeschränkung und zwei Strafanzeigen wegen Körperverletzung.

Die Polizei hatte am Samstagmorgen per Twitter angekündigt, Winterberg am Wochenende verstärkt bei der Durchsetzung der Allgemeinverfügung zur Maskenpflicht und der Coronaschutzverordnung zu unterstützen. Dafür würden auch Kräfte der Bereitschaftspolizei hinzugezogen. Bereits vor einer Woche hatten Besucher die Region gestürmt. Auch am Neujahrstag waren die Straßen auf dem Weg ins Skigebiet Winterberg wegen des starken Besucheraufkommens verstopft.

Dabei sind Lifte und Pisten, Restaurants und Hütten bis mindestens 10. Januar geschlossen. Die Betreiber der Wintersport-Arena und des Skilift-Karussells weisen auf ihren Internetseiten darauf hin, dass es keine Toiletten gibt sowie keine Möglichkeiten zum Aufwärmen - und auch keine Retter vor Ort sind. Dort heißt es: „Wir lieben unsere Berge. Sie bestimmt auch: Aber in diesen Zeiten müssen wir diese Liebe ruhen lassen, denn der Ansturm führt zu Stau und Massenaufläufen. Verstopfte Straßen, fehlende Parkplätze und viele potenzielle Kontakte. Wer will das schon?“

Zum Wochenstart erwartet die Menschen in Deutschland Schnee und Regen. Tief „Lisa“ bringt am Montag noch etwas Winterwetter, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag mitteilte. Der Himmel bleibt bewölkt. In der Mitte Deutschlands kann es schneien, im Norden regnen, im Süden bleibt es meist trocken. Die Höchstwerte liegen laut DWD zwischen minus 1 und plus 4 Grad. In der Nacht zum Dienstag sinken die Temperaturen auf 0 bis minus 5 Grad. Es bleibt nass und wechselhaft.

(chal/felt/dpa)