Tierschützer in Sorge Der milde Winter ist gefährlich für Igel – wie man helfen kann

Düsseldorf · Der Igel gehört zu den ältesten Säugetieren, seine Art ist aber gefährdet. Zu warme Winter lassen die Insektenfresser zu früh aus dem Winterschlaf erwachen. Was den Tieren in dieser Zeit das Leben retten kann.

 Der Igel ist zum Wildtier des Jahres 2024 gekürt worden. (Archiv)

Der Igel ist zum Wildtier des Jahres 2024 gekürt worden. (Archiv)

Foto: dpa/Patrick Pleul

Ein gesunder Igel hält eigentlich von Anfang November bis Ende März Winterschlaf. Doch der viel zu warme Winter bringt auch den Rhythmus der Tiere aus dem Gleichgewicht. Tierschützerinnen wie Kornelia Dudziak sind in Sorge. Denn Igel, die wegen der milden Temperaturen jetzt schon aufwachen, finden nicht genügend Nahrung. „Wir raten ohnehin schon dazu, Igel ganzjährig zu füttern“, sagt die 69-Jährige, die seit 36 Jahren den Verein Igelschutz Interessengemeinschaft mit Sitz in Wuppertal leitet. „Der Igel ist hochgradig gefährdet“, sagt sie. „Wenn ein Igel jetzt um diese Jahreszeit tagsüber aktiv ist, dann sollte man schauen, ob er krank oder untergewichtig ist und ihn nicht sich selbst überlassen.“

In den Auffangstationen und vielen Tierheimen wimmelt es von Igeln, die sich geschwächt vom Winterschlaf in der Natur nicht erst mal satt essen konnten und nun aufgepäppelt werden müssen. Igel fressen am liebsten Insekten, Regenwürmer und Spinnen. „Bei Trockenheit gibt es aber auch keine Würmchen“, sagt Dudziak. Zwar zählen auch Schnecken zur Leibspeise von Igeln. „Die Schnecke ist aber leider Zwischenwirt für Parasiten – wenn ein Igel nur Schnecken frisst, erkrankt er.“

Krefeld: Fotos aus dem Haus der Igel
17 Bilder

So werden Igel im „Haus der Igel“ gesund gepflegt

17 Bilder
Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Im Frühjahr mangelt es aber nicht nur an Futter, auch die Vegetation ist noch nicht so weit, dass Igel einen sicheren Unterschlupf finden können. Und das warme Wetter führt dazu, dass Hobbygärtner schon mit der Arbeit loslegen und etwa Restlaub oder Pflanzenreste zusammenfegen und entsorgen. Igel brauchen aber Möglichkeiten, sich zu verstecken. Auch die Insekten, die der Igel zum Überleben braucht, werden durch zu viel Aufräumeifer vernichtet. Ein kurzer Rasen ohne Blüten bietet Tieren keine Nährstoffe, sagt Dudziak. Sie rät dazu, abgestorbene Pflanzen stehen und totes Holz liegenzulassen. Denn dort legen Insekten ihre Eier ab oder überwintern. Nicht nur Igel, sondern auch Eidechsen, Frösche und Mäuse bräuchten Mauern, Büsche und Laubhaufen als Verstecke.

Igel: Zufüttern, Stacheln, heimische Arten - 10 spannende Fakten
Infos

10 spannende Fakten über Igel

Infos
Foto: dpa-tmn/Peter Steffen

„Wer jetzt einen Igel entdeckt, sollte ihn in einen Karton setzen, ihm Wasser und etwas Futter anbieten“, rät die Tierschützerin. Fürs Erste könne man dem Igel Katzenfutter oder auch ein Rührei geben. „Und dann bitte an eine Igelstation oder einen fachkundigen Tierarzt wenden, der beurteilen kann, ob das Tier krank, geschwächt oder von Parasiten befallen ist.“ In vielen Städten gibt es auch einen Tiernotruf.

Der Braunbrustigel wurde kürzlich erst zum „Wildtier des Jahres 2024“ gekürt. Das kleine Stacheltier setzte sich im Ranking der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg klar gegen die Mitbewerber Eichhörnchen und Rotfuchs durch. Wie viele Igel es in Deutschland gibt, ist nicht bekannt. Wildtierexperten sehen aber mit Sorge, dass der Bestand schleichend abnimmt. Der Igel wird auf der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands in der Kategorie „Vorwarnliste“ geführt. Setzt sich die Entwicklung fort, ist laut Experten zu erwarten, dass die Art in naher Zukunft in die Kategorie „Gefährdet“ hochgestuft werden muss. Dabei gehört der Igel zu den ältesten Säugetieren.

Versiegelte Flächen und Schottergärten entziehen dem Igel die Lebensgrundlage. Mähroboter sind eine zusätzliche Gefahr. „Sie können nicht nur Igel schwer verletzten, sondern vernichten auch dessen Nahrungskette, weil sie alles mitnehmen, was kreucht und fleucht“, sagt Dudziak. Wer den Igeln etwas Gutes tun will, lässt im Garten einige unordentliche Ecken stehen. Dort kann der Igel sich verstecken, im Sommer ungestört seinen Nachwuchs zur Welt bringen und später Winterschlaf halten. Ein igelfreundlicher Gartenbesitzer verzichtet auf chemische Insekten- und Pflanzenschutzmittel und helle Gartenbeleuchtung.

In Kornelia Dudziaks Garten leben derzeit sieben Igel. „Manche waren nur 100 Gramm schwer, als ich sie aufgenommen habe“, sagt sie. Ein erwachsener, gesunder Igel wiegt zwischen 800 und 1700 Gramm. Das Auswildern fällt Dudziak auch nach all den Jahren noch schwer. „Man ist ja mit dem Herzen dabei“, sagt sie. Auf der Website ihres Vereins finden sich etliche Videos über den Umgang mit Igeln, aber auch darüber, wie das Auswildern gelingt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort