Wildschweinbaby hört auf Kommando: Findel Frischling wird Fährtenschwein

Findel-Frischling wird Fährtenschwein : Dieses Wildschweinbaby hört auf Kommando

Dieses Wildschweinbaby macht auf Kommando "Sitz"

Ein Wildschwein, das „Sitz“ machen kann - das gibt’s nicht? Gibt’s doch! „It’s me“ heißt das kleine Wildschweinbaby, das seit vier Wochen auf dem Hof von Landwirtin Andrea Pauls in Monschau lebt. Waldarbeiter hatten das Kleine verlassen im Wald gefunden. Jetzt wird es zum Fährtenschwein ausgebildet.

Andrea Pauls hat einen neuen Vollzeitjob: Sie ist 24 Stunden sieben Tage in der Woche für den Frischling „It’s me“ da. „Ich bin jetzt seine neue Bache“, sagt die 46-jährige Landwirtin. Die echte Mutter des kleinen Wildschweins und seine Gewschwister sind verschwunden. Vor sechs Wochen wurde es von Arbeitern im Wald bei Monschau gefunden - alleine, unterkühlt und ausgehungert. Die Männer brachten das Kleine zu Förster Markus Wunsch. „Die Nabelschnur war noch vorhanden. Das bedeutet, dass es jünger als acht Tage war“, sagt Pauls. Wunsch päppelte es zwei Wochen lang auf und suchte dann ein neues Zuhause für das Wildschweinbaby „It’s me“, das diesen Namen hat, weil es gerade zu dem Zeitpunkt ins Wohnzimmer kam, als im Radio die Liedzeile „It’s me“ erklang.

„It’s me“ schläft bei Andrea Pauls im Bett

Für Pauls war sofort klar, dass sie sich um das kleine Wildschwein kümmert. „Als Förster ist Markus Wunsch viel unterwegs, deshalb hatte er keine Zeit, sich weiter um den Frischling zu kümmern.“ Pauls kennt sich aus mit Findelkindern. Sie hat zum Beispiel schon Rehe und Enten aufgepäppelt. Seit vier Wochen lebt „It’s me“ bei ihr. „Mit dem Wildschwein ist es aber etwas ganz Besonderes“, sagt sie. „Da es nicht wieder ausgewildert wird wie die anderen Tiere, um die ich mich bis jetzt gekümmert habe, ist die Bindung viel intensiver.“

Pauls kuschelt viel mit dem kleinen Wildschwein. Es schläft auch in ihrem Bett. Seit vier Wochen verbringt sie die Nächte mit „It’s me“ im Wohnwagen. „Mein Mann und mein Sohn stehen hinter mir“, sagt sie. In den ersten beiden Wochen musste „It´s me“ jede Stunde gefüttert werden. Mittlerweile muss Pauls nur noch einmal in der Nacht dem kleinen Wildschwein Milch geben. Vor sechs Wochen wog es noch 620 Gramm, nun sind es sieben Kilo.

Hobbys: Buddeln, Schlafen, Toben

„It’s me“ ist den ganzen Tag an Pauls Seite, läuft im Haus und draußen auf dem Hof herum, auf dem die Pauls Hochlandrinder züchten. Das Wildschweinbaby hört sehr gut auf seine Ziehmutter. Innerhalb eines halben Tages hat es gelernt, Sitz zu machen, genauso wie seine Spielkameraden, die sechs Hunde der Familie. Wildschweine sind sehr intelligente Tiere. „It’s me“ buddelt aber auch gerne im Boden und schläft.

„It’s me“ wird zum Fährtenschwein ausgebildet

Das kleine Wildschwein hüpft aber nicht nur auf dem Ruitzhof herum, es hat auch Aufgaben. Es ist mit bei der Hofführung dabei, die Pauls Interessierten anbietet. Dabei trägt es nicht nur sein Geschirr, sondern wird an der Leine geführt. An die soll es sich gewöhnen, denn auf „It’s me“ kommt in einem halben Jahr, wenn es nicht mehr geruchsneutral wie ein Frischling, sondern wie ein ausgewachsenes Wildschwein riecht, eine neue Aufgabe zu: Es wird Fährtenschwein und hilft somit bei der Ausbildung für Jagdhunde. Dabei wird das Schwein mit der Leine durch den Wald geführt und die Jagdhunde müssen die Fährte aufnehmen. „Das ist sehr selten, dass das tatsächlich Wildschweine machen“, sagt Pauls. „Sonst wird beim Legen einer Fährte Wildschweinblut genommen.“

Auch wenn „It’s me“ bald nicht mehr so klein ist, das Wildschwein darf auch in Zukunft im Haus der Pauls herumlaufen. Draußen bekommt es dann aber noch ein Gehege.

Mehr von RP ONLINE