Immer neue Fälle: Wieder Geldautomat gesprengt

Immer neue Fälle: Wieder Geldautomat gesprengt

Woche für Woche jagen unbekannte Täter am Niederrhein Geldautomaten in die Luft. Gestern war die Filiale der Sparkasse in Willich an der Reihe. Auch diesmal konnten die Diebe unerkannt entkommen.

René Elflein hat einen tiefen Schlaf. Doch in der Nacht zu Freitag reißt ihn ein Knall aus den Träumen, ein Knall, den er später mit einem lauten Gewehrschuss vergleichen wird. Der 25-Jährige wohnt über der Shell-Tankstelle seines Vaters im Willicher Gewerbegebiet und denkt sofort an einen Autounfall oder einen Überfall.

Er steht auf, öffnet das Fenster und sieht Scherben vor der SB-Geschäftsstelle der Sparkasse, die an die Tankstelle grenzt. Eine Qualmwolke dringt aus dem Raum: Der Bankautomat ist gesprengt worden, die Scheiben sind zersplittert. Wenige Minuten später treffen Polizisten ein. Als sie Elflein nach den Tätern fragen, die mit mehreren Tausend Euro entkamen, kann er ihnen nur erzählen, dass er niemanden gesehen hat.

Es ist bereits der neunte Überfall auf einen Geldautomaten in NRW in diesem Jahr. In der Silvesternacht schlugen die Täter in Siegen zu. Zwischen dem vierten und dem 19. Februar waren vier Mal Geldinstitute im Rheinkreis Neuss Ziel der Gangster.

Die weiteren Stationen: Stolberg, Krefeld und Moers, dazu noch eine Sprengung im niederländischen Roermond. "Die Vorgehensweise der Täter ist immer gleich", sagt Frank Scheulen vom Landeskriminalamt in Düsseldorf: "Der Geldautomat wird abgedichtet, dann wird ein Gas-Luftgemisch in den Automaten gepumpt und durch einen Zünder zur Explosion gebracht", sagt Schulen. Das führe fast immer zu erheblichen Gebäudeschäden. "Zudem ist die Methode für die Täter gefährlich. Denn weder der Zündzeitpunkt noch die Wucht der Explosion können exakt bestimmt werden."

Scheulen erinnert sich an einen Fall aus Rheinland-Pfalz, bei dem einer der Räuber durch die Explosion schwere Kopfverletzungen erlitt. Die Bande habe ihr Mitglied damals einfach vor der Notaufnahme eines Bonner Krankenhauses abgeladen.

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Vor drei Jahren gelang es der Duisburger Polizei, eine Automaten-Knacker-Bande auszuheben. Im Jahr 2008 fiel die Zahl der Fälle in NRW daraufhin von elf auf zwei, stieg aber im vergangenen Jahr wieder auf neun an. Diese Zahl ist 2010 nun schon nach zweieinhalb Monaten erreicht worden. Bei der in Duisburg aufgeklärten Serie handelte es sich um Südosteuropäer.

Wie können Banken sich gegen die kriminellen Sprengmeister schützen? Claudia Hasheider vom Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes (RSGV) betont: "Wir haben bereits sprengsichere Geldautomaten, die vollständige Umrüstung aller Geräte in Deutschland brauche allerdings noch Zeit." Der RSGV denkt jedoch nicht daran, die Geldautomaten nachts aus Sicherheitsgründen zu schließen: "Das können wir mit unseren Nachtkunden nicht machen."

Peter Schlösser, Sicherheitsbeauftragter der Volksbankengruppe verweist auf "unterschiedliche Verpanzerungsstufen" der Geldautomaten. Nun müsse man nachdenken, ob einige Tresore noch den Anforderungen genügen. Dabei sei jedoch zu bedenken: Je intensiver die Panzerung, desto verheerender die nötige Sprengladung.

Die Sparkasse hat einen neuen, stabileren Automaten für die Filiale in Willich bestellt. Doch ein Sprecher der Sparkasse Krefeld, zu der auch die in Willich gehört, sagt: "Wir erhöhen ständig die Sicherheitsvorkehrungen, aber wir hinken den Tätern immer hinterher.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gesprengte Geldautomaten: Fälle aus der Region

(RP)