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Wie Kommunen in NRW gegen Ratten vorgehen

Von Düsseldorf bis Essen : Wie Kommunen in NRW gegen Ratten vorgehen

Immer wieder haben Städte Probleme mit Ratten. Bürger beklagen sich über die Nagetiere. Doch das größte Problem ist der Mensch, sagt ein Experte und hat einen vermeintlich einfachen Tipp.

Ratten am Bahnhof, im Park oder in einem Gebüsch an einer Straße - dort hat fast jeder schon einmal ein Nagetier gesehen. Unschön ist es allerdings, wenn die Tiere sich derart vermehren, dass sie zu einer Plage werden. Wie jüngst rund um ein Pflegeheim im Düsseldorfer Stadtteil Benrath. Auf der Wiese hinter dem Gebäude sollen sich die Tiere tummeln, sagte Dieter Töpfer unserer Redaktion. “Sie waren noch nicht mal schreckhaft“, sagte Töpfer, der regelmäßig zu Besuch in dem Heim ist.

„Fast jede Stadt hat Probleme mit Ratten“, sagt Thomas Guske. Er ist der NRW-Vorsitzende des Deutschen Schädlingsbekämpferverbandes und leitet selbst einen Schädlingsbekämpfungsbetrieb am Niederrhein. In Erkrath etwa tauchen im Stadtteil Sandheide vermehrt Ratten auf. In Neuss scheinen sie sich in den Grünanlagen wohl zu fühlen. Und in Viersen wurde im vergangenen Sommer ein Rattennest in einem alten Briefkasten der Deutschen Post entdeckt.

Schädlingsbekämpfer haben viel zu tun

Guske und seine Kollegen haben im Augenblick gut zu tun, nicht nur wegen der Ratten. Aber auch. Sein Betrieb arbeitet mit Kommunen am Niederrhein zusammen. Denn sie müssen sich um Rattenplagen an öffentlichen Orten wie Spielplätzen, Friedhöfen und in der Kanalisation kümmern.

In Düsseldorf und im Kreis Mettmann hat man versucht, die Tiere mit neuen Köderboxen direkt in der Kanalisation zu bekämpfen. Die Köder enthalten Blutgerinnungshemmer. Die Ratten fressen ihn und verbluten nach ein paar Tagen. Die Köder dürfen aber nicht mit Wasser in Berührung kommen, damit die Giftstoffe nicht in die Klärwerke gelangen, sagt Guske. Der Erfolg dieser Köderboxen ist umstritten. In Düsseldorf und Erkrath wurden sie nach der Versuchsphase nicht weiter eingesetzt.

Keine Essensreste ins Klo spülen

In Neuss wird streng darauf geachtet, dass Bürger keine Wildtiere in den Grünanlagen füttern. Denn Futterreste sind auch Nahrung für die Ratten. In Essen gibt es eine Hotline, unter der Bürger melden können, wenn sie Ratten entdecken. Die Stadt überprüft dann, ob es sich um eine einzelne Sichtung handelt oder um eine echte Plage. Dann wird notfalls ein Schädlingsbekämpfer eingeschaltet.

Auch Privatpersonen melden sich bei Guske. In Wohnhäusern gibt es auch immer mal wieder Probleme. Der viel kolportierte Fall, in dem eine einzelne Ratte plötzlich aus dem Klo kriecht, kommt auch vor. In manchen Hochhäusern kommen die Ratten sogar bis zum 20. Stock, wenn es keine Rückstauklappen in den Rohren gibt. Um das zu verhindern, sollte man keine Essensreste ins Klo spülen, rät er.

Müll vermeiden ist die beste Prävention

Um Ratten zu vermeiden, gibt Guske einen einfach Tipp: Weniger Müll produzieren. „Der Mensch ist das größte Problem“, sagt er. Um Ratten prophylaktisch in Schach zu halten, müsse man Müllmengen kontrollieren. Überall da, wo Ratten genug Nahrung für sich und ihre Nachkommen finden, fangen sie an, sich zu vermehren. Ein simples biologisches Prinzip, nur dass Ratten sich sehr schnell vermehren können. Es dauert rund drei Wochen, bis Nachwuchs kommt. Nach drei bis fünf Monaten sind sie geschlechtsreif.

Von Ratten geht kein gesundheitliches Risiko aus. Die Zeiten, in denen sie Krankheiten übertragen haben, sind vorbei. Aber es sei wichtig, dass die Kommunen am Ball bleiben, damit die Population nicht weiter wächst. Derzeit könne man fast überall mit der Rattenpopulation leben.

Guske nennt auch das Beispiel Indien. Dort ist die Ratte ein geschütztes Tier, darf nicht getötet werden. Vor einigen Jahren gab es dort wieder einen Pest-Ausbruch. Die Krankheit wird über den Rattenfloh übertragen. In Deutschland werden Ratten heutzutage weniger aus hygienischen Gründen getötet. „Die meisten Menschen ekeln sich einfach“, sagt Guske. „Keiner will, dass überall Ratten sind, wo man geht und steht.“