Wetter und Trockenheit 2019 in NRW: Am Donnerstag soll es endlich regnen

2019 bislang viel zu trocken : Am Donnerstag kommt der Regen

Erneut leidet das Land unter anhaltender Trockenheit. Ab Donnerstag soll es endlich Regen geben. Doch erholen kann sich die Natur Experten zufolge nicht – dafür müsste es zwei Wochen lang durchgehend regnen.

Schon im zweiten Jahr hintereinander sitzen die Menschen in NRW auf dem Trockenen. Vom 19. Juni bis zum 6. Juli, also 17 Tage lang, ist im Land laut Bernd Hussing vom Deutschen Wetterdienst (DWD) kein einziger Tropfen heruntergekommen, davor und danach hat es auch nur unwesentlich geregnet. Mit entsprechenden Folgen: Viele Wiesen sind vertrocknet, in den Wäldern breitet sich der Borkenkäfer aus, in Ostwestfalen gibt es Trinkwasser-Engpässe.

Nun scheint zumindest kurzzeitige Entspannung in Sicht. Von Donnerstag bis Samstag soll es in Nordrhein-Westfalen nach Prognosen des DWD flächendeckend regnen. Nicht ununterbrochen, aber immerhin reichlich. „Insgesamt erwarten wir rund 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter, das entspricht etwa 60 bis 70 Prozent des Monatssolls“, sagt Hussing.

Heißt: Erleichterung ja, Entwarnung nein. Den Messungen des Wetterdienstes zufolge war es im Rheinland in den vergangenen 38 Jahren noch nie so trocken wie jetzt. In den oberen 60 Zentimetern des Bodens liegt der Wassergehalt nur bei 30 bis 50 Prozent.

Am Niederrhein ist die Lage dramatischer: Dort beträgt der Anteil des pflanzenverfügbaren Wassers sogar unter 30 Prozent. Im Juni hat es in NRW nur die Hälfte des Durchschnittswerts geregnet: 45 statt 84 Liter pro Quadratmeter.

Trotzdem sei die Lage der Landwirte nicht so problematisch wie im vergangenen Jahr, sagt Andrea Hornfischer vom Rheinischen Landwirtschaftsverband. Die Gerstenernte falle durchschnittlich aus, der Weizen müsse noch drei Wochen reifen. „Um Prognosen abzugeben, ist es zu früh“, sagt Hornfischer. Regen sei allerdings hilfreich.

Das gilt auch für die Wälder. Die Lage ist sehr ernst, sagt Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz. So seien die Wasserdefizite des Dürresommers 2018 nicht einmal ansatzweise ausgeglichen. Vor allem Buchen und Fichten würden massiv unter der Trockenheit leiden, letztere würden zusätzlich vom Borkenkäfer dezimiert. Während man bei den Wäldern wenig tun könne, gehen etliche Städte dazu über, ihre Straßenbäume zu gießen. Für private Gärten eignet sich das nur bedingt. Weit mehr als 100 Liter pro Tag braucht ein großer Baum, sagt Birgit Königs vom Naturschutzbund NRW. „Man sollte sich genau überlegen, ob man angesichts weiterer trockener Sommer eine Fichte überhaupt gießt oder nicht besser durch eine Baumart ersetzt, die mit den Witterungsverhältnissen besser zurechtkommt.“

Auch der sonnenverbrannte Rasen benötige nicht unbedingt Wasser. Gräser seien solchen extremen Bedingungen gewachsen, sagt Königs, und würden sich schnell erholen. Zudem verbrauchen Rasensprenger bis zu 800 Liter Wasser in der Stunde. Das ist rund siebenmal so viel, wie jeder Bundesbürger pro Tag für sich selbst aus dem Wasserhahn zapft. Generell müsse man im Garten künftig wohl auf widerstandsfähige, eher mediterrane Pflanzen wie Salbei, Thymian oder Rosmarin setzen. Denn die nächste Trockenphase kommt bestimmt.

Bereits ab Sonntag kehrt das sommerliche Wetter vielleicht zurück, prognostiziert Meteorologe Hussing, mit Temperaturen über 25 Grad und ohne Niederschläge. Noch ist die Vorhersage zwar zu ungenau, aber auch der angekündigte Regen könnte weniger segensreich ausfallen als erhofft. „Wenn zu viel Wasser auf einmal herunterkommt, nehmen die Böden das nicht auf“, erklärt Königs. Mit ein paar Schauern und Gewittern ist es also nicht getan. Damit sich die Natur deutlich erhole, sagt Hussing, müsste es zwei Wochen durchregnen.

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