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Wetter NRW: Sturmschäden nach Sturmtief Kirsten - Unfälle und Bahn-Verspätungen

Unfälle und umgestürzte Bäume : So hat Sturmtief „Kirsten“ in NRW gewirbelt

Sturmtief „Kirsten“ ist über Nordrhein-Westfalen gezogen. In zahlreichen Städten gab es durch die starken Böen Schäden. Der Verkehr auf Autobahnen und Bahnstrecken wurde durch umgestürzte Bäume lahmgelegt. Ein Überblick.

Eine Woche vor dem meteorologischen Herbstanfang hat das erste Sturmtief in Nordrhein-Westfalen gewütet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Mittwochmorgen vor Sturmböen in NRW gewarnt. Die Winde könnten mit bis zu 100 Stundenkilometern über das Land fegen. Die Wetterexperten warnten vor allem vor der Gefahr, die von den Bäumen ausgeht.

Wo der Sturm in NRW Schäden verursacht hat

Die Deutsche Bahn ließ bei Dortmund-Aplerbeck einen Regionalexpress evakuieren, weil der Zug wegen eines auf dem Gleis liegenden Baumes nicht weiterfahren konnte. Die rund 100 Reisenden hätten mit einem Ersatzzug von einem Nebengleis aus weiterfahren können, wie ein Bahn-Sprecher sagte.

In Düsseldorf wurde wegen der starken Böen das New Fall Festival abgesagt. Ein Open-Air Konzert bei diesen Wetterbedingungen könne man nicht verantworten, heißt es. Einen Nachholtermin des New Fall Festivals wird es laut Veranstalter nicht geben. Ansonsten ist die Stadt bislang glimpflich davongekommen. Nur in Himmelgeist stürzte ein Baum auf ein geparktes Auto.

In Grevenbroich versperrte ein umgestürzter Baum die Abfahrt Gustorf der B59/A540. An der Bahnstraße in der Stadtmitte musste die Drehleiter lose Teile einer Photovoltaikanlage entfernen. Die Feuerwehr warnt noch bis in die Abendstunden vor den Gefahren durch abknickende Bäume und Äste, vor allem auf Wald- und Radwegen.

Auch in der Schloss-Stadt Hückeswagen wehte es heftig: Die Feuerwehr musste in der Nacht und den frühen Morgenstunden zu zwei Einsätzen am Schmalbeinsweg und am Beverdamm ausrücken.

In Hünxe ist einer 19 Jahre alten Frau ein Baum auf das Auto gefallen. Die Fahrerin war als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr gerade auf dem Weg zum Einsatz. Bei dem Unfall wurde sie leicht verletzt, konnte das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung aber wieder verlassen. Tragisch nur: Kurz darauf stellte sich heraus, dass der Einsatz, zu dem sie fahren wollte, ein Fehlalarm war.

Auf der Autobahn 44 in Höhe Holz bei Jüchen kam es am Morgen zu Sichtbeeinträchtigungen durch aufgewirbelten Staub, wie die Polizei in Düsseldorf mitteilte. Zudem sei ein Lastwagen auf der Autobahn umgekippt, die Strecke in Richtung Aachen wurde gesperrt.

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Nach Angaben der Deutschen Bahn lag in Köln zwischen den Stadtteilen Worringen und Longerich ein Baum im Gleis. Der RE7 war betroffen. Auch auf einer Oberleitung bei Ennepetal lag ein Baum. Am Vormittag standen Züge auf freier Strecke, die erst nach der Entfernung des Baums weiterfahren konnten.

In Kleve rückten die Einsatzkräfte in den frühen Morgenstunden immer wieder aus. Ein Motorradfahrer ist gegen 5.45 Uhr durch einen herabstürzenden Ast verletzt worden. Ein herumfliegendes Trampolin aus einem Garten hat zudem ein geparktes Auto beschädigt.

In Leverkusen-Opladen musste ein Güterzug stoppen, weil ein umgestürzter Baum die Gleise blockierte. Die Strecke blieb für die Dauer der Aufräumarbeiten gesperrt.

In Neuss ergaben sich Dutzende sturmbedingte Einsätze. Ein Sicherungskasten hatte am frühen Morgen im Stadtteil Gruissem Feuer gefangen. Eine zum Haus führende 400-Volt-Freileitung war vermutlich durch den Sturm hinabgerissen worden. Es entwickelte sich ein Dachstuhlbrand. Die Löschmaßnahmen wurden durch die noch Spannung führende Leitung erschwert. Nach etwa zwei Stunden wurde der Strom abgeschaltet und der Brand konnte gelöscht werden. Es wurde niemand verletzt.

In Solingen sorgte Sturmtief „Kirsten“ am frühen Mittwochmorgen ebenfalls für mehrere Einsätze der Feuerwehr. Auf vier Straßen waren Bäume umgestürzt.

In Straelen ist es zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen, nachdem ein Auto Zeugen zufolge von einer Böe erfasst worden war. Der Fahrer landete mit seinem Pkw frontal vor einem Baum und musste mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Wegen der erhöhten Gefahr durch herabstürzende Bäume bleibt der Zoo in Wuppertal nach eigenen Angaben am Mittwoch geschlossen.

Warum der Sturm im August ein besonderes Problem ist

Sommerstürme sind besonders kritisch, weil die Bäume noch in vollem Laub stehen, also eine besonders große „Anprallfläche“ bieten, erklärt Mathias Niesar, Experte für Wald- und Klimaschutz von Wald und Holz NRW. „Da können dann auch schon bei Windgeschwindigkeiten von 80 bis 90 Stundenkilometern Äste herausbrechen“, sagt er. Und auch wenn Bäume jetzt noch nicht umfallen, könnten Wurzeln reißen. Diese Bäume seien dann bei den kommenden Herbst- und Winterstürmen stärker gefährdet. „Ihre Standfestigkeit wird dadurch natürlich in Mitleidenschaft gezogen. Das kann auch für eigentlich stabile Bäume zum Problem werden“, sagt Niesar.

Für die Bäume selbst könne jetzt wenig getan werden. „Klimaschutz ist hier wichtig“, sagt Niesar. „Wir müssen verhindern, dass die Temperaturen in der Atmosphäre weiter steigen.“ Wind sei nichts anderes als der Ausgleich warmer und kalter Luftmassen. „Je wärmer die Luft ist, umso mehr Energie enthält sie.“ Förster arbeiteten zudem seit 30 Jahren daran, Waldränder so zu gestalten, dass der Wind dort nicht so reinschlagen könne, sondern sich zügig verteile.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Verletzte, ein Brand und umgestürzte Bäume durch Sturmtief „Kirsten“ in NRW

(özi/chal/mba/dpa)