Wespen töten verboten: In NRW bis zu 50.000 Euro Strafe möglich

Bis zu 50.000 Euro Bußgeld: Warum Sie in NRW besser keine Wespe totschlagen

Mit den milden Temperaturen der vergangenen Tage sind auch ungebetene Gäste zurückgekehrt. Bienen und Wespen können beim Grillabend lästig sein. Doch wer sie fängt, verletzt oder tötet, muss in NRW mit einem saftigen Bußgeld rechnen - theoretisch.

Bis zu 50.000 Euro können in Nordrhein-Westfalen fällig werden, wenn man Wespen oder Wildbienen ohne triftigen Grund fängt, verletzt oder tötet. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich bei dem Insekt um eine besonders geschützte Art handelt. Dieselbe Strafe riskiert jeder, der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten dieser Tiere zerstört.

So steht es unter dem Punkt Tierschutz in einem umfangreichen Katalog, der von dem in Berlin ansässigen "Verband für bürgernahe Verkehrspolitik” zusammengestellt worden ist. Entnommen hat er die Zahlen aus dem Bundesnaturschutzgesetz und der Bundesartenschutzverordnung. "Bei einer Strafe von 50.000 Euro müsse schon ein besonders schweres Vergehen vorliegen. Denn es gibt keine festen Sätze, sondern Abstufungen, die von den unteren Behörden festgesetzt werden", sagt Wilhelm Deitermann, Pressesprecher des Landesumweltamtes in NRW. Jeder Fall müsse individuell betrachtet werden, fügt er hinzu.

Auch Alexander Heyd, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Bonn, zweifelt die Zahlen nicht an. Aber auch ihm ist es wichtig, sie zu relativieren. "Diese Bußgelder sind nicht realistisch. Es ist nett, Strafen in solch astronomische Höhen zu treiben, um abzuschrecken. Es wäre aber sinnvoller, Mindeststrafen für solche Vergehen einzusetzen. Doch die gibt es in Deutschland nicht.”

"Fall würde direkt zu den Akten gelegt werden"

Er habe durchaus von Fällen gehört, bei denen Geldbußen nach dem Töten von Insekten verhängt worden sind. "Dabei hatten die Vergehen aber einen kommerziellen Hintergrund. Oder es geschah durch Gewohnheitsmäßigkeit. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Kammerjäger ohne Genehmigung ganze Nester entfernt”, sagt Heyd. Eine einzelne Wespe im heimischen Garten zu töten, sei zwar verboten, aber eben "nur" eine Ordnungswidrigkeit. "Und da würde bei einer Anzeige jedes Ordnungsamt den Fall direkt zu den Akten legen.”

Fakt ist jedoch, dass die Bürger in NRW im Fall der Fälle besonders tief in die Tasche greifen müssten. Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz kostet das Fangen, Verletzen oder Töten von Wespen grundsätzlich höchstens 5000 Euro. Darüber hinaus beinhaltet der Katalog noch viele weitere Tierarten. Zumeist ist für NRW die Höchstsumme von 50.000 Euro angegeben.

"Es ist nicht möglich, für die bis zu 12.000 geschützten Tier- und Pflanzenarten jeweils gesonderte Strafen anzusetzen. So gibt es die drei Unterteilungen: nicht geschützt, geschützt und streng geschützt. Und da gibt es dann ganz einfach Randbereiche, bei denen die angesetzten Bußgelder sehr merkwürdig aussehen. Nur wird der Rechtsrahmen nie ausgeschöpft”, sagt Heyd.

Mehr von RP ONLINE