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Wesel und Witten: Hacker-Angriff aus Städte in NRW

Cyber-Attacke auf Städte : Hackerangriff auf Verwaltungen in Wesel und Witten

Seit Tagen ist die Stadtverwaltung in Witten massiv von einem Hackerangriff betroffen und kaum arbeitsfähig. Nun funktionieren einige Ämter in Teilbereichen wieder. Auch in Wesel gab es einen Hacker-Angriff auf die Stadtverwaltung.

Willkommen zurück in der analogen Welt: Die Stadtverwaltung von Witten ist nach einem massiven Hackerangriff in Teilbereichen wieder arbeitsfähig, muss aber weiterhin enorm improvisieren. Einige Ämter waren am Mittwoch laut Mitteilungen der Ruhrgebietsstadt über wenige Telefonnummern wieder erreichbar. Für Termine in den Bürgerämtern galt aber weiter die Auskunft: „Sie können nicht stattfinden.“

In Wesel hatte eine Cyber-Attacke im September für Schäden gesorgt. Wie eine Sprecherin auf Anfrage der Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung mitteilte, sei es zu einem "betrügerischen Cyberangriff" gekommen, bei dem der Verwaltung ein finanzieller Schaden in Höhe von 25.000 Euro entstanden sei. Über die Hintergründe des Angriffs schweigt sich die Weseler Kreisverwaltung aus. "Der Vorfall wird intern aufgearbeitet und es wurde Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Polizei gestellt, das Verfahren läuft", sagte demnach die Sprecherin. Der Angriff soll bereits vor einigen Wochen Anfang September geschehen sein, die Fraktionsvorsitzenden im Kreistag wurden am Dienstagabend über den entstandenen Schaden informiert.

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In Witten war von dem Ausfall der IT-Systeme die Bürgerberatung besonders betroffen, teilte die Stadt am Mittwoch auf ihrer Website mit. Das Herzstück als zentrale Anlaufstelle für die Einwohner fühlt sich an wie in längst vergessenen, analoge Zeiten zurückversetzt. Alltägliche Dienstleistungen wie die Ausstellung von Personalausweisen, Reisepässen oder An- und Ummeldungen seien derzeit nicht möglich, weil es dafür zumindest den Zugriff auf Personendaten bräuchte. hieß es.

„Tun, was man ohne Computer und Daten machen kann“, lautete daher die neue Devise der Büroleiterin Daniela Borsch. Als erstes analoges Angebot gab die Behörde Personalausweise aus, die bereits vor Wochen beantragt worden waren und in dieser Woche zu vereinbarten Terminen hätten abgeholt werden können. Dieses Angebot wolle man in den kommenden Tagen „über den Erprobungstag“ hinaus fortsetzen, hieß es.

Ab Donnerstag könnten (ohne Termin) zwischen 9 und 15 Uhr alte (rosa) Führerscheine gegen neue getauscht werden. Man müsse nur etwas Zeit mitbringen, einen gültigen Personalausweis, die alte Fahrerlaubnis, ein biometrisches Bild und die Gebühr von 30,40 Euro. Dazu schrieb die Stadt auf ihrer Website humorvoll: „Am besten natürlich passend“. Dafür gibt es als kleines Andenken eine handschriftliche Quittung. Blöcke dafür hatte die Bürgerberatung kurzfristig bestellt. Zudem müsse man sich selbst mitbringen, „weil das persönliche Erscheinen für die Unterschrift nötig ist“.

Andere Abteilungen wie das Jugendamt arbeiten ebenfalls im Notbetrieb. Immerhin können Kinderschutzmeldungen nicht nur über die Feuerwehr und Polizei erfolgen, sondern auch wieder direkt beim Bezirkssozialdienst. Allgemeine Fragen zu den Themen Jugendhilfe, Schule, Kita und Offene Ganztagsschule könnten über wenige Telefonnummern wieder gestellt werden. Auch für das Amt für Wohnen und Soziales sowie das Bestattungswesen waren Telefonnummern eingerichtet.

Alle in dieser Woche geplanten Hochzeiten, „die erste davon glücklicherweise ohnehin erst am Donnerstag“, könnten stattfinden, teilte die Stadt weiter mit. Einziger Wermutstropfen: Heiratsurkunden in Schmuckform würden erst später überreicht.

Wer seinen Sperrmüll pünktlich rausgestellt hatte, nun aber feststellte, dass er nicht abgeholt wurde, konnte sich über eine Mobilnummer melden. Diese wie alle anderen funktionierenden Telefonnummern sind auf der Homepage der Stadt (www.witten.de) einzusehen. Bei allen anderen Rufnummern der Verwaltung bekamen die Wittener weiter nur eine Bandansage zu der Störung zu hören.

Auch andere Dienstleistungen funktionierten teilweise wieder. Das Kulturforum Witten könne seine Angebote mit einigen Einschränkungen wieder anbieten. So sei der Online-Ticketkauf für Veranstaltungen des Saalbaus wieder möglich. Märkisches Museum, Bibliothek und Stadtarchiv seien normal nutzbar. Auch die Stadtmarketing Witten GmbH und die Volkshochschule (per Mail und Mobilnummer) waren wieder eingeschränkt erreichbar.

In der Nacht zum vergangenen Samstag war der Hackerangriff auf die Kommune festgestellt worden. Auch am Mittwoch arbeiteten IT-Fachleute des Landeskriminalamts und andere Experten daran, die Ursachen des Cyber-Angriffs zu analysieren und die Schäden zu reparieren, um alle Systeme bald wieder zum Laufen zu bringen.

(top/dpa)