Kriminalität: Weniger Einbrüche in NRW

Kriminalität: Weniger Einbrüche in NRW

Die Polizei verzeichnet rund drei Prozent weniger Fälle als im Vorjahr. Es handelt sich um den ersten Rückgang seit 2008. Trotzdem dringt Bayern im Bundesrat auf eine Verschärfung des Strafrechts.

Zum ersten Mal seit sechs Jahren sind die Einbruchszahlen in NRW rückläufig. Das geht aus der Kriminalstatistik für das Jahr 2014 hervor, die in der kommenden Woche veröffentlicht wird. Demnach gab es im vergangenen Jahr landesweit rund 53 350 Einbrüche, 1650 weniger als im Jahr 2013. Das entspricht einem Rückgang um drei Prozent. Die Zahl der sogenannten Tageseinbrüche im Zeitraum von sechs Uhr morgens bis 21 Uhr ging sogar um sieben Prozent zurück.

Auch die Aufklärungsquote hat sich demnach von rund 14 auf etwa 16 Prozent verbessert. Im Durchschnitt wird jeder siebte Einbruch aufgeklärt, bislang war es nur jeder achte bis neunte. Offenbar haben die Kriminellen auch ihre Tätigkeitsschwerpunkte verlagert. In Oberhausen, Bonn und Düsseldorf etwa verzeichnete die Polizei weniger Einbrüche als in den Vorjahren. In Städten wie Münster und Bielefeld stiegen die Zahlen hingegen.

Die Sicherheitsbehörden erklärten die insgesamt rückläufigen Zahlen unter anderem durch den erhöhten Fahndungsdruck, der durch Kampagnen wie "Riegel vor" auf die Täter ausgeübt werde. Dabei werden Bürger an ausgewählten Tagen flächendeckend über Einbruchschutz informiert. Gleichzeitig führt die Polizei landesweite Großkontrollen auf Autobahnen und in als besonders gefährdet geltenden Stadtteilen durch.

Debatte über härtere Strafen im Bundesrat

Für die CSU reichen diese Maßnahmen allein jedoch nicht aus. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) fordert härtere Strafen für Einbrecher. Im Bundesrat wird heute über ein entsprechendes Strafrechtsänderungsgesetz abgestimmt. Demnach sollen Einbruchdiebstähle künftig nicht mehr als minderschwere Fälle gewertet werden. Die Delikte sollen mit Haft von sechs Monaten bis zu zehn Jahren geahndet werden. Bislang werden die Fälle mit einer Strafe von drei Monaten bis fünf Jahre belegt. Außerdem soll die elektronische Kommunikation von Einbrecherbanden besser überwacht werden können.

Unterstützt werden die CSU- Forderungen auch in Teilen der CDU. Allein kann die Union ihre Position im Bundesrat jedoch nicht durchsetzen. Die rot-grüne NRW-Landesregierung lehnt härtere Strafen ab. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty sagte unserer Redaktion, dass er den bayerischen Vorschlag für nicht tauglich halte. "Er erweckt vielmehr den Eindruck reiner Symbolhaftigkeit. Es ist fraglich, ob sich potenzielle Tätergruppen von einer Verschärfung des Strafrechts bei Wohnungseinbruch wirkungsvoll abschrecken lassen", sagte Kutschaty. Wichtiger sei aus seiner Sicht die Prävention. "Die Menschen müssten mit Beratung der Polizei wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen, die es den Tätern deutlich schwerer machen, in Wohnungen und Häuser einzubrechen", so Kutschaty.

"Schnellere Verurteilung hilfreicher"

Auch die beiden Polizeigewerkschaften halten wenig von einer Verschärfung des Strafmaßes. Wenn Wohnungseinbrüche für die Täter kein risikoloses Verbrechen sein sollten, müsse man an vielen Stellschrauben drehen, meint Arnold Plickert, NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Eine schnellere Verurteilung überführter Täter wäre hilfreicher", sagte Plickert.

Tatsächlich ist es so, dass zwischen Festnahme und Prozess Monate vergehen können und der Täter bis dahin auf freiem Fuß bleibt. Das sei für viele Polizisten frustrierend, kritisierte Plickert. Erich Rettinghaus, NRW-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, stimmt zu: "Es würde völlig ausreichen, wenn das bestehende Strafmaß endlich ausgeschöpft wird und es schnell zu Verurteilungen kommt."

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(RP)
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